Der Autor beginnt mit einer provokativen Diskussion: Wenn Intelligenz als „Fähigkeit, Ziele über viele Bereiche hinweg zu erreichen“ definiert wird, dann müssten Persönlichkeiten wie Donald Trump oder Stalin als die intelligentesten Menschen gelten. Dieses Gedankenspiel dient als Aufhänger, um die verbreitete Verwechslung von kognitiver Höchstleistung – dem, was wir von KIs als Superintelligenz erhoffen – und realer politischer Macht zu entlarven. Macht, so die zentrale These, entsteht weniger durch individuelle Denkleistung als durch institutionelle Autorität, Vertrauen und die Fähigkeit, Massen zur Kooperation zu bewegen. Trump sei nicht wegen seines isoliert betrachteten Gehirns mächtig, sondern weil ihm Millionen von Menschen Legitimität zuschreiben und er so den Staatsapparat steuern kann.

Diese Perspektive wird durch historische Beispiele untermauert: Der Erfinder Richard Trevithick starb verarmt, doch viele solcher Köpfe machten das britische Empire stark – König Georg III. musste dafür kein Genie sein. Übertragen auf KI bedeutet das: Eine Firma, deren hochintelligente, aber gehorsame KI-Wissenschaftler:innen und -Programmierer:innen menschlichen Führungskräften zuarbeiten, könnte enorme Macht entfalten – ohne dass die KI selbst machthungrig sein müsste. Das Risiko liege daher eher in wirtschaftlicher Verdrängung als in einer einzelnen, alle überlistenden Superintelligenz. Der Autor plädiert für ein Gruppenmodell: Nicht die isolierte KI-Intelligenz entscheidet über Macht, sondern wie gut sie kollektive Dynamiken verstärkt.

Einordnung

Der Text stammt aus einem Newsletter mit Fokus auf tiefgehende Interviews, doch der Autor bleibt anonym – vermutlich ein in KI-Debatten vernetzter Denker. Die Argumentation richtet sich erkennbar gegen populäre KI-Risiko-Narrative, die eine eigenständig machtsuchende Superintelligenz fürchten. Sie blendet jedoch weitgehend aus, dass auch eine gehorsame KI durch emergente Effekte oder Instrumentalisierung unbeabsichtigt Macht entfalten könnte. Die historischen Analogien sind suggestiv, aber nicht zwingend übertragbar. Politisch bleibt der Ton moderat; die Wahl von Figuren wie Trump oder Stalin dient der Zuspitzung, ohne deren Herrschaftssysteme zu verharmlosen.

Lesenswert ist der Newsletter für alle, die die KI-Risikodebatte um eine strategisch-ökonomische Perspektive ergänzen möchten. Wer jedoch tiefgreifende Analysen zu existenziellen Risiken sucht, wird die implizite Verharmlosung autonomer KI-Gefahren kritisch sehen müssen.