In dieser Episode des Filmmaker Toolkit Podcasts spricht Chris O'Falt mit Regisseur David Lowery über seinen Film "Mother Mary". Der Film, der mit Anne Hathaway als Popikone und Michaela Coel als ihrer ehemaligen Freundin und Modedesignerin besetzt ist, begann als minimalistisches Zweipersonenstück und wuchs sich zu einer gotischen Horror-Musical-Fantasie aus. Lowery beschreibt ausführlich, wie persönliche Krisen, katholische Prägungen und maximalistische Tendenzen den Film formten.

Das Gespräch bewegt sich durchweg im Rahmen eines freundlichen Promotionsinterviews. Lowerys Schaffensprozess wird als organische, fast unvermeidliche Entwicklung dargestellt – vom einfachen Konzept hin zum überbordenden Endprodukt. Dass Künstler:innen wie Jack Antonoff, Charli XCX und FKA Twigs eingebunden wurden, erscheint als selbstverständliche Qualitätsgarantie; die industrielle Logik solcher Besetzungsentscheidungen bleibt unbefragt.

Zentrale Punkte

  • Vom Zweipersonenstück zur gotischen Fantasie Lowery habe den Film als dialoggetriebenes Kammerstück konzipiert, inspiriert von seinem Kurzfilm "Pioneer". Seiner maximalistischen Neigung sei es jedoch geschuldet, dass das Projekt zu einer gotischen Pop-Fantasie mit Konzertszenen und übernatürlichen Elementen herangewachsen sei.

  • Musik als jahrelanger Aushandlungsprozess Die Zusammenarbeit mit Jack Antonoff und Charli XCX habe von 2022 bis wenige Wochen vor dem Release 2026 gedauert. Hathaway habe die Songs wiederholt neu aufgenommen, auch nach den Dreharbeiten, um sie als Ausdruck ihrer Figur zu verankern – nicht bloß als Soundtrack.

  • Bewegung als zentrale Ausdrucksebene Choreografie und körperliche Bewegung seien nicht nur für die Tanzszenen zentral gewesen, sondern für die gesamte physische Präsenz der Figur. Eine Choreografin sei für den gesamten Dreh anwesend gewesen, um Bewegung als Erzählmittel zu nutzen.

  • Das Geisterhafte als greifbare Energie Die übernatürliche Verbindung der beiden Figuren habe Lowery als materialisierte zwischenmenschliche Energie konzipiert. Der Geist sei mithilfe von Stoff und Wind praktisch umgesetzt worden, in Zusammenarbeit mit dem Künstler Daniel Vertzel.

Einordnung

Die Episode liefert detaillierte Einblicke in Lowerys Arbeitsweise und die schrittweise Entstehung eines zunehmend komplexen Filmprojekts. Besonders erhellend ist, wie Lowery kreative Entscheidungen als Reaktion auf logistische Zwänge neu verhandelt – etwa die Nutzung einer Scheune in Bonn als universellen Drehort, weil Locations für Rückblenden fehlten. Die Würdigung von Kooperationspartner:innen wie der Choreografin Danny oder Kostümbildnerin Iris van Herpen vermittelt ein Bild kollektiven Schaffens jenseits des Genie-Mythos.

Was fehlt, ist eine kritische Nachfrage zu den industriellen Bedingungen dieses Projekts: Ein Film, der von A24 produziert wird und Stars sowie Popgrößen versammelt, bewegt sich in ökonomischen Dimensionen, die Lowerys Ursprungsidee eines "einfachen" Zweipersonenstücks konterkarieren. Lowery selbst rahmt die Ausweitung des Projekts als persönliche Neigung: "I wanted to take that energy and render it tangible" (übersetzt: "Ich wollte diese Energie greifbar machen") – eine Formulierung, die ästhetische Entscheidungen als emotionale Notwendigkeiten darstellt und ökonomische Zwänge überschreibt. Das Gespräch bleibt durchweg affirmativ, was bei einem Promotionsformat erwartbar, aber für tiefere kritische Einordnung limitierend ist.

Sprecher:innen

  • Chris O'Falt – Moderator, IndieWire Filmmaker Toolkit
  • David Lowery – Regisseur (A Ghost Story, The Green Knight, Mother Mary)