David Roberts spricht mit den Ember-Forscher:innen Kostantsa Rangelova und Nicolas Fulghum über den globalen Strombericht 2026 (Global Electricity Review). Im Mittelpunkt steht die These, dass 2025 ein strukturell bedeutsames Jahr gewesen sei: Erstmals sei die fossile Stromerzeugung weltweit gesunken – nicht wegen einer Rezession oder ungewöhnlich milden Temperaturen, sondern obwohl Wirtschaft und Stromnachfrage normal gewachsen seien. Das Gespräch ist dezidiert von einer Perspektive aus geführt: Die Energiewende wird als im Wesentlichen entschiedener Wettbewerb behandelt, den Erneuerbare bereits gewonnen hätten – es gehe nur noch darum, wie schnell der Rest der Welt nachzieht.

Die Diskussion setzt wirtschaftliche Überlegenheit von Solar und Batterien als weitgehend unstrittigen Ausgangspunkt voraus und fragt von dort aus, was den Wandel wo noch bremst. Geopolitische Krisen und Energiepreisschocks tauchen hauptsächlich als Beschleuniger der Energiewende auf, nicht als eigenständige Problemfelder.

Zentrale Punkte

  • Solar dominiert globales Nachfragewachstum Wind und Solar hätten zusammen 99 % des weltweiten Nachfragewachstums gedeckt; Solar allein stehe für 75 % – bei der höchsten Wachstumsrate seit acht Jahren und einer weiter sinkenden Gesamtkostenkurve.

  • Batterien lösen das Nacht-Problem Weltweit könnten neue Batterien bereits 14 % des täglichen Solarzuwachses in die Nachtstunden verschieben – in Chile seien es 76 %, in Australien 53 %. Batteriepakete seien 2025 um 45 % günstiger geworden.

  • Fossiler Plateau – strukturell oder Zufall? Der Rückgang fossiler Stromerzeugung um 0,2 % sei deshalb besonders bedeutsam, weil er bei gesunder Nachfrage eingetreten sei. Bis 2030–2035 sei laut IEA- und BloombergNEF-Szenarien ein Rückgang von 10–20 % gegenüber 2025 wahrscheinlich – aus Klimaperspektive freilich zu wenig.

  • Indien wird nicht das neue China Indiens serviceorientierte Wirtschaft sei weniger energieintensiv als Chinas Industrie; Solar und Batterien seien dort bereits die günstigste Neubauoption. Die Kohleerzeugung sei 2025 erstmals gesunken – wobei dies auch auf ein ungewöhnlich mildes Jahr zurückzuführen sei.

Einordnung

Die Episode liefert datengestützte Analyse auf Basis eines angesehenen Jahresberichts und erklärt komplexe Größenordnungen (Terawattstunden, Gigawattstunden) anschaulich durch Vergleiche wie den britischen Jahresstromverbrauch. Stärken sind die präzise Unterscheidung zwischen strukturellen Trends und kurzfristigen Schwankungen sowie die ehrliche Einräumung von Unsicherheiten – etwa beim Zeitpunkt des fossilen Peaks oder beim indischen Kohleminderung, die teils wetterbedingt sei.

Die Gesprächshaltung ist klar advocacy-nah: Gegenpositionen – etwa Argumente für Kernkraft als Brückentechnologie, Bedenken zu Lieferketten oder die soziale Dimension des Strukturwandels in kohleabhängigen Regionen – werden kaum entwickelt. Die Frage, ob die prognostizierten 10–20 % Rückgang bis 2035 klimapolitisch ausreichen, wird kurz angesprochen, aber schnell beiseitegelegt. Wer die Datenlage kennt und einen optimistischen Lagebericht mit Tiefgang sucht, ist gut bedient; wer eine ausgewogene Abwägung konkurrierender Energiestrategien erwartet, wird weniger finden.

Hörempfehlung: Für alle, die einen fundierten, zahlenreichen Überblick über den globalen Stromsektor 2025 suchen und wissen wollen, was hinter den Schlagzeilen zu Solar, Batterien und Indiens Energieweg steckt.

Sprecher:innen

  • David Roberts – Moderator, Energiejournalist, Betreiber des Podcasts Volts
  • Nicolas Fulghum – Analyst beim Thinktank Ember, Co-Autor des Global Electricity Review
  • Kostantsa Rangelova – Analystin beim Thinktank Ember, Co-Autorin des Global Electricity Review