Die Episode verhandelt aktuelle Krisenherde und deren regionale wie internationale Verflechtungen. Im Zentrum stehen die fragile Waffenruhe zwischen Iran, USA und Israel sowie die Situation im Libanon, wo die Bevölkerung zwischen Vertreibung und Krieg wählen muss. In der Europapolitik werden Rüstungsprojekte als Beweis europäischer Handlungsfähigkeit gerahmt, während in Bulgarien Russlandfreundlichkeit als diplomatische Alternative normalisiert wird. Ergänzt wird dies durch Schweizer Themen zu Kinderschutz und der strukturellen Unsichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft.

Zentrale Punkte

  • Fragiles geopolitisches Taktieren im Nahen Osten Der Iran und die USA würden sich bei der Straße von Hormus und der Waffenruhe im Libanon gegenseitig Entgegenkommen signalisieren, wobei beide Seiten ihre Verhandlungspositionen wahren wollten. Die Kernkonflikte wie das Atomprogramm und Sanktionen blieben jedoch ungelöst, weshalb eine erneute Eskalation als Drohpotential bestehen bleibe.

  • Libanons Regierung in unmöglicher Position Die zehntägige Waffenruhe verschaffe der Bevölkerung kurz Erleichterung, doch die libanesische Regierung solle die Hisbollah entwaffnen, was diese verweigere. Israel werde zudem das Recht auf Gegenschläge eingeräumt. Ein dauerhafter Frieden gelte als aufgezwungen und ohne Lösung des Palästinakonflikts als innenpolitisch nicht tragbar.

  • Rüstungskooperation und bulgarische Russland-Nähe Das deutsch-französische Kampfflugzeugprojekt FCAS scheitere an unterschiedlichen militärischen Anforderungen und industriellen Machtansprüchen. In Bulgarien profitiere der als russlandfreundlich geltende Radev von Antikorruptionsprotesten. Seine Russland-Nähe werde von Unterstützern als Diplomatie umgedeutet, wodurch Moskaus Position relativiert werde.

Einordnung

Die Sendung liefert durch Korrespondent:innen und Ortsansässige wertvolle Kontextualisierungen, insbesondere zur prekären Lage der Libanes:innen, die Vertreibung gegenüber dem Krieg vorziehen. Auch die Verflechtung von Rüstungsökonomie und politischem Machtanspruch beim FCAS wird differenziert herausgearbeitet. Kritisch ist jedoch die Berichterstattung zu Bulgarien: Wenn ein Kandidat Russland als "not an invader" (kein Eindringling) bezeichne und dies unhinterfragt als historische Legitimation stehen bleibe, werde eine pro-russische Relativierung festgeschrieben. Die Perspektive der ukrainischen Betroffenen dieser Haltung fehlt gänzlich. Ebenso wird das israelische Vorbehaltsrecht im Libanon-Abkommen nur als "vage" benannt, aber nicht als strukturelle Ungleichheit hinterfragt.

Sprecher:innen

  • Christina Scheidegger – Moderatorin, Echo der Zeit
  • Thomas Gutersohn – Nahostkorrespondent SRF
  • Meret Michel – Journalistin in Beirut
  • Ronja Kempin – Expertin für deutsch-französische Sicherheitspolitik, SWP
  • Nicole Probst-Hensch – Epidemiologin, Universität Basel