Lisa Ortgies spricht mit der zertifizierten Coachin Daniela van Santen über die verschiedenen Formen von Eifersucht – von der als normal geltenden, beziehungserhaltenden Variante bis zur krankhaften Kontrollsucht, die Partnerschaften zerstören kann. Es geht um die Frage, wann Eifersucht zur Krankheit wird, welche psychologischen und physischen Ursachen dahinterstehen könnten und wie Betroffene lernen, mit dem Gefühl umzugehen, ohne ihr Umfeld zu beschneiden. Dargestellt werden typische Dynamiken wie Kontrollzwang, Projektion eigener Untreue und die Eskalation von Misstrauen bis hin zu Beziehungsabbruch.

1. Reaktive vs. krankhafte Eifersucht

Daniela van Santen betont, „normale“ Eifersucht sei ein evolutionär sinnvolles Gefühl, das 98 % aller Menschen kennen und das Beziehungen sogar beleben könne. Erst wenn Kontrolle, Beschuldigungen und soziale Isolation das Liebesleben dominieren, überschreite sie die Schwelle zur krankhaften Form. Als Beleg zitiert sie häusliche Szenarien: „Da wird … dem Partner … pausenlos gesagt: Ich traue dir nicht, du lügst, du betrügst mich.“

2. Körperliche und psychische Auslöser

Krankhaftes Misstrauen sei häufig Begleiterscheinung („Epiphänomen“) von Depressionen, Angststörungen, Sucht oder niedrigem Selbstwert. Auch strukturelle Faktoren wie Altersunterschied, Statusgefälle oder vermutete sexuelle „Konkurrenz“ würden Männer verstärkt eifersüchtig machen: „Wenn die Frau … super erfolgreich ist … fühlt sich der Mann minderwertig.“

3. Kontrollspirale statt Vertrauen

Viele Paare versuchen durch GPS-Tracking, Handy-Kontrolle oder Fotobeweise Sicherheit zu erzeugen. Van Santen warnt: „Wenn du mir jetzt … den Handyverlauf anguckst … kann ich aber auch immer.“ Diese Maßnahmen verstärken nur den Kontrollzwang und führen fast zwingend zu Lügen und Trennung.

4. Projektion eigener Untreue

Ein häufiges Muster sei, dass Menschen, die sich selbst in Gedanken oder real vom Partner lösen wollen, dessen angeblichen Betrug heraufbeschwören. „Ich gehe … fremd und projiziere das auf den anderen“, so die Expertin. Dadurch würden Schuldzuweisungen und Eifersuchtsdramen erzeugt, die von der eigenen Schuld ablenken sollen.

5. Sofort-Techniken zur Eskalationsbremsung

In der Praxis erarbeite sie mit Betroffenen individuelle „Stopper“, etwa plötzliche Alltags-Unfälle oder bewusste Ablenkung durch Podcasts. Das zentrale Ziel: „Du musst lernen, das Gefühl zu stoppen, bevor es dich übernimmt.“ Partner:innen sollten in kritischen Momenten nicht rechtfertigen, sondern Ruhe ausstrahlen.

Einordnung

Der Podcast folgt dem bewährten Schema von „Lisas Paarschi“: ein lockeres, auf persönliche Erfahrungen und Alltagssprache fokussiertes Gespräch, das Fachwissen in unterhaltsame Geschichten packt. Die Expertin bringt viele Praxisbeispiele und macht komplexe psychologische Mechanismen anschaulich, ohne wissenschaftliche Tiefe oder differenzierte Perspektiven auf strukturelle Machtverhältnisse (z. B. Geschlechterrollen, kulturelle Prägung) zu bieten. Die Moderation bleibt sympathisch oberflächlich; kritische Gegenfragen zu pauschalen Geschlechterannahmen oder zur Verfügbarkeit von Expert:innen rund um die Uhr bleiben aus. Dafür gelingt es, Betroffenen Entlastung zu verschaffen („Eifersucht ist normal“) und konkrete Handlungsoptionen aufzuzeigen. Insgesamt ein unterhaltsamer, lehrreicher Beitrag mit praktischem Nutzen für Paare, die sich in Kontrollschleifen wiederfinden – wer tiefergehende psychologische oder gesellschaftliche Einordnung sucht, sollte ergänzende Quellen konsultieren.