Der Newsletter "Briefing gegen Doomscrolling" der Berliner PR-Beratung fph positioniert sich als Gegenentwurf zu defätistischen Nachrichtenzyklen und setzt dem aktuellen Weltgeschehen – insbesondere der als "TACO" (Trump Always Chickens Out) charakterisierten US-Außenpolitik und dem teuren Scheitern des Iran-Kriegs – eine Sammlung technologischer und politischer Fortschrittsmeldungen entgegen. Ausgehend von der These, dass der durch Konflikte ausgelöste Ölpreisschock die Energiewende beschleunige, verwebt der Text geopolitische Analyse mit einer umfassenden Bestandsaufnahme grüner Transformation. Deutschland und Spanien werden als Solarvorreiter gefeiert, die EU gewinne durch den "Industrial Accelerator Act" an strategischer Souveränität, während digitale Autonomie durch Open-Source-Strategien der Bundesregierung und Amsterdams Migrationsplan für 2035 gestärkt werde. Der Bogen spannt sich von konkreten Infrastrukturprojekten – wie dem 10.000-Megawatt-Meilenstein deutscher Offshore-Windkraft oder dem größten Batteriespeicherverbund in Sachsen-Anhalt – über medizinische Innovationen (Gentherapien, Kombinationsimpfstoffe) bis hin zu gesellschaftlichen Regulierungen wie österreichischen Hinweispflichten bei Packungsgrößen-Täuschung. Zitiert wird der ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz, der fossile Abhängigkeit als "nicht länger tragbares Sicherheitsrisiko" apostrophiert, was die zentrale Argumentationslinie unterstreicht: Klimaschutz als geostrategische Lebensversicherung.

Einordnung

Die Perspektive des Newsletters ist die einer technologieaffinen, europäisch geprägten Wirtschaftselite, die ökologische Transformation primär als Innovations- und Wettbewerbschance begreift. Als PR-Agentur für "Impact-Unternehmen" verfolgt fph hier eine unverhohlene wirtschaftliche Agenda: Die Darstellung nachhaltiger Technologien als lukrativer Markt der Zukunft, flankiert von industriepolitischer EU-Rhetorik. Kritisch fällt auf, dass trotz der Breite der Themen soziale Fragen der Transformation – Arbeitsplatzverluste in fossilen Sektoren, globale Rohstoffabhängigkeiten, finanzielle Zugänglichkeit grüner Technologien für untere Einkommensschichten – systematisch ausgeblendet werden. Der Text reproduziert ein neoliberales Narrativ des "grünen Wachstums", das auf technologischem Optimismus und staatlicher Industrial Policy beruht, ohne die fundamentalen Widersprüche zwischen Kapitalakkumulation und ökologischen Grenzen zu thematisieren. Die Gegenüberstellung von "Doomscrolling" und "Lichtblicken" riskiert zudem eine Psychologisierung politischer Krisen: Statt Machtstrukturen zu analysieren, werden individuelle Wahrnehmungsweisen adressiert. Für Entscheider:innen in Nachhaltigkeits- und Tech-Branchen liefert der Newsletter wertvolle, dicht gepackte Informationen; wer jedoch nach gesellschaftlicher Kritik oder solidarischen Transformationskonzepten sucht, wird an der Oberfläche einer PR-strategischen Fortschrittsgeschichte festmachen. Lesewert für Professionals der Green Economy, weniger aufschlussreich für kritische Gesellschaftsanalyse.