Das Gespräch umreißt die Positionen des Bündnisses Ende Gelände zu den ab Ende Mai 2026 geplanten Protesten in Hamm. Tomke Jansen beschreibt die Entwicklung der Bewegung, die sich vom Kampf gegen die Kohle nun dem Thema Gas zuwendet. Als zentrale Bedrohung werde der von der Bundesregierung angestoßene Ausbau neuer Gaskraftwerke ausgemacht. Die Argumentation setzt grundsätzlich voraus, dass politische Vorgaben und Lobby-Interessen fossile Infrastruktur zementieren, weshalb außerparlamentarischer Druck das einzig wirksame Korrektiv sei.

Zentrale Punkte

  • Gas als vermeintliche Brückentechnologie Die Befürworter:innen von Gas stellten es fälschlicherweise als saubere Übergangslösung dar. Unter Einbezug des gesamten Herstellungsprozesses sei es jedoch nicht klimafreundlicher als Kohle, mittels Fracking gewonnenes Gas sei sogar schädlicher.
  • Ziviler Ungehorsam als legitimes Mittel Die Orte der Zerstörung oder Planung sollten mit den eigenen Körpern markiert und blockiert werden, um unübersehbaren Druck aufzubauen. Diese Form des Protests sei nicht nur wirkungsvoll, sondern angesichts der drohenden Klimafolgen mehr als legitim.

Einordnung

Das Interview gibt ungefiltert die Bewegungslogik von Ende Gelände wieder und zeichnet sich durch eine konsequent ablehnende Haltung gegenüber fossilen Energieträgern aus, die detailliert begründet wird. Die Moderatorin schafft Raum für Jansens Kernargumente, insbesondere für die Widerlegung der „Brückentechnologie“-These.

Kritisch zu betrachten ist die Art der Gesprächsführung: Sie bewegt sich stark im Einvernehmen. Wenn die Moderatorin einwirft, „Das Narrativ scheint sich schon ganz gut verbreitet zu haben, dass Gas irgendwie weniger schlimm ist“, wird der Standpunkt der Aktivistin nicht hinterfragt, sondern bestätigt. Das Fehlen kritischer Rückfragen führt dazu, dass das Gespräch eher einer öffentlichkeitswirksamen Plattform gleicht als einer journalistisch-distanzierten Analyse. Komplexe Fragen – etwa nach konkreten Alternativen zur Versorgungssicherheit oder dem Umgang mit bestehender fossiler Infrastruktur in der Übergangsphase – bleiben außen vor. So verbleibt die Diskussion in einem engen inhaltlichen Rahmen, der das Aktivismus-Narrativ verstärkt, statt es einzuordnen.

Sprecher:innen

  • Tomke Jansen – Vertreterin des Bündnisses Ende Gelände
  • Moderator:in von Radio Corax – Führt das Interview