Alexander Schallenberg, langjähriger österreichischer Außenminister und zweimaliger Bundeskanzler, spricht mit Cicero-Chefredakteur Alexander Marguier über die geopolitischen Herausforderungen Europas: Ukraine-Krieg, Gaza-Konflikt, Trumps Amerika und den Aufstieg des globalen Südens. Schallenberg sieht Europa in einer Identitätskrise, da es lange glaubte, Geschichte und Konflikte hinter sich gelassen zu haben. Er fordert ein Umdenken: Europa solle sich nicht länger als „Insel der Seligen“ verstehen, sondern realistisch handlungsfähig werden. Dabei kritisiert er die fehlende Einigung in der EU-Außenpolitik, die Emotionalisierung durch soziale Medien und die mangelnde Kompromissbereitschaft. Er plädiert für Dialog statt Abschottung – etwa mit Russland trotz Krieg, für Augenmaß statt Populismus. Migration wird als zentraler Konflikttreiber benannt, der zu Rechtspopulismus führe. Auch die Rolle Chinas und künstlicher Intelligenz in der Geopolitik wird diskutiert. Schallenberg zeigt Sympathien für disruptive Reformansätze à la Javier Milei, betont aber die Notwendigkeit rechtsstaatlicher Rahmen. Die Gesprächskultur ist professionell-journalistisch, mit scharfen Nachfragen und kalkulierten Provokationen. Schallenberg wirbt für ein realistisches, wertebasiertes Außenpolitikverständnis.
Cicero Podcasts: Österreichischer Bundeskanzler a.D. Alexander Schallenberg: „Europa braucht mehr Mut zur Disruption“
Alexander Schallenberg erklärt, warum Europa aus der geopolitischen Bedeutungslosigkeit ausbrechen muss – und was dabei schief läuft.
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