Kaiser Hadrian gilt als einer der fähigsten Herrscher Roms, bekannt für seine Friedenspolitik, Bauwerke und Reiselust. Was ihn aber bis heute besonders aus der Riege der Imperatoren hervorhebt, ist seine intensive Beziehung zu dem jungen Antinoos. Die Episode zeichnet Hadrians politischen und persönlichen Werdegang nach, von seiner Geburt in der Provinz über die ungewisse Zeit im Schatten seines Vorgängers Trajan bis zum Höhepunkt seiner Macht. Die Hörer:innen werden in das Jahr 129 nach Pergamon versetzt, wo der Kaiser – als Liebhaber griechischer Kultur und Lebensart – mit seinem Gefolge und seiner Geliebten, aber auch seiner kaum beachteten Ehefrau, die Dionysien begeht. Die Moderatoren stellen die Frage nach der Natur dieser für antike Verhältnisse öffentlich gelebten Männerbeziehung und bemühen sich um eine historisch angemessene Einordnung jenseits moderner Etiketten. Spürbar wird die Faszination für eine Figur, die durch gezielte Selbstinszenierung – etwa den philosophischen Vollbart – mit den Traditionen ihrer Zeit brach.

Zentrale Punkte

  • Hadrians Weg zur Macht Hadrians Aufstieg sei keineswegs geradlinig gewesen. Lange habe sein Vormund Trajan gezögert, ihn zu adoptieren. Erst auf dem Sterbebett und womöglich durch eine Intrige von Trajans Frau Plotina sei die Nachfolge gesichert worden. Hadrian habe sich dann umgehend die Legitimation aller drei Machtsäulen – Dynastie, Armee und Senat – gesichert, was als strategischer Glücksfall dargestellt wird.
  • Liebe als historische Kraft Die Beziehung zwischen Hadrian und Antinoos wird als zentrales Motiv für die Bekanntheit des jungen Mannes präsentiert. Antinoos‘ Status speise sich nicht aus militärischer oder politischer Leistung, sondern aus der Zuneigung des Kaisers. Die Moderatoren betonen, dass die antike Gesellschaft gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht mit der heutigen Dichotomie von hetero- und homosexuell betrachtet habe, was eine Rückprojektion moderner Identitätskategorien verhindern solle.
  • Hadrian als Grenzgänger Hadrian sei ein zwischen den Welten stehender Herrscher gewesen: Er habe Rom regiert, aber Griechenland verehrt und dies durch seinen Bart und seine Bildung sichtbar nach außen getragen. Diese Begeisterung für das Griechische sei mehr als eine modische Laune gewesen, sondern Ausdruck einer intellektuellen Haltung, die die pragmatische römische Herrschaftselite durch Raffinesse ergänzen wollte. Er habe eine epochale Entscheidung für die Sicherung des Reiches statt weiterer Expansion getroffen.

Einordnung

Die Stärke dieser Episode liegt in der quellenkritischen Herangehensweise. Statt antike Verhältnisse mit modernen Moralvorstellungen zu überziehen, wird das gesellschaftliche Gefüge des Römischen Reichs differenziert dargelegt. Besonders wertvoll ist der Hinweis, dass die aus heutiger Sicht naheliegende Kategorie "schwul" für das damalige Verständnis gleichgeschlechtlicher Beziehungen unzureichend ist und es sich dabei eher um eine flexible soziale Praxis handelte. Sprachlich und argumentativ hält die Folge, was der Titel verspricht: eine geschichtswissenschaftliche Einordnung mit Unterhaltungswert, etwa durch den wiederholten Vergleich Hadrians mit der SPD.

Die Machtdynamik zwischen dem über 40-jährigen Kaiser und dem als "jugendlich" und "wunderschön" beschriebenen Antinoos wird zwar benannt, aber nicht stärker problematisiert. Die Darstellung verbleibt im Rahmen einer romantischen Erzählung, was angesichts der dünnen Quellenlage auch als narrative Setzung kenntlich gemacht werden dürfte. Zudem wird die Gewalterfahrung, die mit der Sklaverei oder Abhängigkeit des jungen Mannes verbunden gewesen sein könnte, nicht vertieft. Die Perspektive von Hadrians politisch kaltgestellter Ehefrau Sabina wird zwar kurz gestreift, bleibt aber ein Randaspekt.

Hörempfehlung: Eine lehrreiche Folge für Hörer:innen, die verstehen wollen, wie eine der ungewöhnlichsten Herrscherpersönlichkeiten der Antike durch geschickte Machtpolitik und kulturelle Inszenierung ein Weltreich prägte.

Sprecher:innen

  • Joachim Telgenbüscher – Geschichtsjournalist und Moderator des Podcasts
  • Nils Minkmar – Historiker und Publizist, bringt die wissenschaftliche Perspektive ein