Über Rechts: Wo steht die AfD? Fünf Erkenntnisse der Landtagswahlen
Kritische Wahlanalyse über die Grenzen des AfD-Erfolgs und die tieferliegenden sozialen Ursachen ihres Aufstiegs.
Über Rechts
8 min readDer vorliegende Newsletter des Projekts "Über Rechts", dessen Mission die kritische Beobachtung rechter Akteur:innen ist, analysiert das Abschneiden der AfD bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Autorenschaft konstatiert, dass die Partei mit Ergebnissen unter zwanzig Prozent hinter ihren eigenen Zielen zurückgeblieben sei. Als Grund wird angeführt, dass die AfD landespolitisch kaum Akzente setzen konnte. Zudem hat eine parteiinterne Verwandtenaffäre der AfD kaum messbar geschadet. Die Wähler:innen scheinen Skandale dieser Art bei der rechten Partei nicht zu sanktionieren.
Ein weiterer Faktor sei die Zuspitzung auf mediale Zweikämpfe zwischen etablierten Spitzenkandidat:innen gewesen. Diese als Scheinpolarisierung bezeichnete Dynamik verhinderte, dass die AfD den Wahlkampf dominierte. Die Partei sei nur dann erfolgreich, wenn Wahlen zu Abstimmungen über die AfD selbst stilisiert werden. Zugleich widerlegt der Text die Behauptung der AfD-Spitze, es gäbe eine Mehrheit für ein rechtes Bündnis. Umfragedaten zeigten, dass die gesellschaftliche Brandmauer intakt sei, da siebzig Prozent der Wähler:innen eine AfD-Regierungsbeteiligung strikt ablehnen. Dennoch bleibt die AfD die echte Krisengewinnerin, die von sozialen Abstiegsängsten profitiert. Der Text zitiert: "Denn ein Ende der grundlegenden Krise des Wirtschafts- und Gesellschaftssystems der Bundesrepublik ist bekanntlich nicht in Sicht."
## Einordnung
Der Text besticht durch eine nüchterne Argumentationsstruktur, die sich auf Nachwahlbefragungen stützt. Durch den Abgleich von AfD-Narrativen mit echten Umfragewerten entkräftet die Autorenschaft rechte Mythen. Das Framing der Scheinpolarisierung offenbart jedoch Kritik am Parteienspektrum, dem mangelnde Unterscheidbarkeit vorgeworfen wird. Hier zeigt sich eine systemkritische Perspektive. Die unausgesprochene Annahme ist, dass bestehende ökonomische Verhältnisse zwangsläufig soziale Verwerfungen produzieren, die den Rechten in die Hände spielen.
Der Newsletter demystifiziert die angebliche Unaufhaltsamkeit der AfD, ohne deren Mobilisierungspotenzial zu verharmlosen. Gesellschaftlich ist diese Analyse hochrelevant, da sie Erkenntnisse für den demokratischen Umgang mit rechten Parteien liefert. Der Text ist sehr lesenswert für alle Bürger:innen, die fundierte Wahlanalysen suchen. Er bietet einen analytischen Gegenpol zu oft aufgeregten medialen Debatten.