Der Supreme Court hat Trumps Revision im Fall Carroll II abgelehnt, womit das Urteil von 2023 – wonach Trump die Autorin E. Jean Carroll sexuell missbrauchte und später verleumdete – endgültig rechtskräftig ist. Der Newsletter zeichnet den verschlungenen Weg zweier Klagen nach, die sich über Jahre erstreckten und von Trumps aggressiven Verzögerungstaktiken geprägt waren. Das Geld für den Schadenersatz in Höhe von 5 Millionen Dollar plus Zinsen hatte Trump bereits 2023 gerichtlich hinterlegt, der Zugriff für Carroll ist nun nur noch Formsache – sollte man meinen.
Der Text schildert eindrücklich, wie Carroll nicht nur den juristischen Kampf gegen einen übermächtigen Gegner führte, sondern auch eine Flut von Hass und Bedrohungen ertrug, ausgelöst durch Trumps öffentliche Attacken. Sie beschrieb die Reaktionen auf Trumps Tweets als "Just a wave of slime. It was very seedy comments, very denigrating." Der Newsletter verknüpft diese persönliche Ebene eng mit den komplexen juristischen Manövern. Ein zentraler Punkt ist die wiederholte Verzögerungstaktik durch Trumps Anwälte: Nach der endgültigen Niederlage vor dem Supreme Court ersuchten sie Carrolls Team um eine weitere, monatelange Zahlungsaussetzung, um eine ohnehin aussichtslose Wiedererwägung zu beantragen.
Die Reaktion von Carrolls Anwält:innen fiel unmissverständlich aus: Sie lehnten ab und beantragten umgehend die Freigabe der 5,78 Millionen Dollar, einschließlich der aufgelaufenen Zinsen. Ihr Argument, gestützt durch die Zitate aus Gerichtsakten, war, dass Trumps fortgesetzte "litigation tactics [have] had a dilatory effect and, indeed, strongly suggest that he is acting out of a strong desire to delay", eine Einschätzung, der sich der zuständige Richter sofort durch eine beschleunigte Prüfung anschloss. Der Autor stellt Trumps berüchtigte Zahlungsmoral und das destruktive Verhalten seiner Anwältin Alina Habba im Gerichtssaal pointiert dar.
Einordnung
Der Artikel, verfasst aus einer klar anti-Trump und pro-Carroll orientierten Perspektive, ist mehr als ein juristischer Bericht. Er rahmt die Geschichte als eine moralische Erzählung von Mut gegen Machtmissbrauch, in der eine Frau gegen einen Präsidenten siegt, der mit allen Mitteln kämpft. Die unausgesprochene Annahme ist, dass Trumps Verhalten nicht nur rechtlich, sondern auch zutiefst verwerflich und charakterlich entlarvend ist. Stimmen der Verteidigung oder eine neutrale rechtswissenschaftliche Einordnung, die mögliche zukünftige Implikationen der präsidialen Immunitätsfrage in Carroll I differenzierter beleuchten könnte, werden bewusst ausgeblendet, um die narrative Wucht des Sieges nicht zu schmälern. Das Framing als Kampf einer "unglaublich tapferen Frau" gegen einen Mann mit "kultartigem Einfluss" ist rhetorisch wirkungsvoll, verstärkt eine Opfer-Täter-Dichotomie und dient einer klaren Agenda: der Delegitimierung Trumps.
Lesenswert ist die Analyse für alle, die den Fall verfolgen und eine kompakte, pointierte Zusammenfassung des finalen juristischen Akts mit allen bürokratischen Komplikationen suchen. Sie bietet zudem ein eindrückliches Beispiel für die Verzögerungstaktiken mächtiger Beklagter im US-Rechtssystem. Wer eine ausgewogene, distanzierte Einordnung sucht, die Trump nicht von vornherein als "Arschloch" betrachtet, wird hier jedoch kaum fündig.