Die Episode beleuchte das Phänomen des „Overtourism" anhand persönlicher Reiseerfahrungen in Rom und Paris. Die Sprecher diskutierten, ob Europa zum „Museum" für globale Tourist:innen verkomme, und reflektierten dabei ihre eigene Position als privilegierte Reisende. Gleichzeitig blieben ökonomische Machtstrukturen und koloniale Kontinuitäten in der Analyse teilweise unterbelichtet.

Zentrale Punkte

  • Explosion der Touristenzahlen Die Zahl der Hotelbesucher:innen in Amsterdam sei von 5,3 Millionen (2010) auf über 20 Millionen gestiegen. Rom habe sich zwischen 2014 und 2019 zur reinen „Kulisse" für Tourist:innen gewandelt, während Paris trotz gestiegener Sauberkeit soziale Spannungen verberge.

  • Instagram-Ökonomie der Warteschlange Städte richteten sich zunehmend nach Instagram-Logik aus. In der römischen Jesuitenkirche Sant'Ignazio di Loyola lenke ein installierter Spiegel Touristenströme zu Selfie-Positionen. Warteschlangen schaffen künstliche Verknappung und vermittelten das Gefühl, das Richtige zu tun.

  • Klassenspezifische Reisekulturen Es werde unterschieden zwischen „kreativen Wissensarbeiter:innen", die nach „Singularitäten" suchten, und einer „abgekulturell abgehängten" Mittelschicht. Letztere werde stereotyp als Prosecco-trinkende ICE-Fahrerin mit pfiffigem Kurzhaarschnitt charakterisiert.

  • Koloniale Vergangenheit der Museen Der Louvre verwaltete globale Kulturgüter. Mangold relativiere koloniale Raubkunst mit dem Argument historischer Kaufverträge und betone die europäische „Bereitschaft", kulturelle Werte zu erkennen. Napoleonische Plünderungen würden dagegen als „Spaß" kommentiert.

Einordnung

Die Episode leiste differenzierte Beobachtungen zur Ästhetisierung des öffentlichen Raums durch Social Media und zur Preisdynamik im Tourismus. Die Selbstreflexion der eigenen touristischen Privilegien sei erfrischend. Allerdings reproduziere Weisbrod in der Disneyland-Passage klassistische Ressentiments gegenüber vermeintlich „abgekulturell" geprägten Milieus, die durch äußerliche Merkmale stigmatisiert würden. Mangolds Relativierung kolonialer Raubkunst als „privatrechtliche Verträge" entlaste europäische Museen. Die Perspektive von Einheimischen oder nicht-touristischen Arbeiter:innen bleibe aus.

Sprecher:innen

  • Ijoma Mangold – Feuilletonist und Literaturkritiker, lebt in Rom
  • Lars Weisbrod – Feuilletonist und Autor, lebt in Berlin