In dieser Episode von "The Take" geht es um die drastisch verschärfte Krise in Kuba. Vor dem Hintergrund landesweiter Stromausfälle und offener Übernahmedrohungen durch US-Präsident Donald Trump diskutiert Host Kevin Herton mit dem Journalisten Ed Augustin die Lage vor Ort. Der Diskurs bricht dabei stark mit hegemonialen westlichen Narrativen: US-Sanktionen werden im Gespräch nicht als legitimes außenpolitisches Instrument oder "Druckmittel für Demokratie" besprochen. Stattdessen werden sie explizit als tödliche kollektive Bestrafung und bewusste Deindustrialisierung gerahmt. Die geopolitische Vormachtstellung der USA im "eigenen Hinterhof" wird als imperiale Setzung benannt und historisch kontextualisiert. ### Zentrale Punkte * **Militärische Alarmbereitschaft** Kuba bereite sich angesichts direkter US-Drohungen ernsthaft auf eine mögliche militärische Intervention vor. Die Armee sei zwar schlecht ausgerüstet, aber ideologisch geeint und kampfbereit. * **Tödliche Folgen der Sanktionen** Die US-Blockade ziele bewusst auf die Zerstörung der Infrastruktur ab. Dies führe zu alltäglichen Stromausfällen, einem Anstieg der Säuglingssterblichkeit und unerträglichen Lebensbedingungen. * **Wirtschaftliche Erpressung** Die USA strebten wohl keinen Regimewechsel mehr an, da eine organisierte Opposition fehle. Stattdessen wolle man durch massiven Druck wirtschaftliche Konzessionen und Rohstoffzugänge erzwingen. ### Einordnung Die Episode liefert eine fundierte Dekonstruktion der US-Außenpolitik und besticht durch die Perspektive eines Korrespondenten vor Ort. Augustin widerlegt den Frame, Sanktionen dienten primär den Menschenrechten, indem er auf akademische Belege für deren tödliche Folgen für die Zivilbevölkerung verweist. Gleichzeitig bleibt die Betrachtung der kubanischen Regierung – etwa hinsichtlich der unhinterfragten "Loyalität der Armee" – an einigen Stellen etwas distanzlos. Wie unmaskiert imperiale Hegemonie mittlerweile beansprucht wird, zeigt ein eingespielter O-Ton Trumps: „I do believe I'll be the honor of having the honor of taking Cuba." (Übersetzung: „Ich glaube, mir wird die Ehre zuteilwerden, die Ehre zu haben, Kuba einzunehmen."). Dies belege anschaulich den Bruch mit bisherigen diplomatischen Maskierungen. **Hörempfehlung**: Absolut empfehlenswert für alle, die geopolitische Narrative jenseits des westlichen Mainstream-Konsenses und die realen Auswirkungen von Wirtschaftssanktionen verstehen wollen. ### Sprecher:innen * **Kevin Herton** – Host und Journalist * **Ed Augustin** – Britischer Journalist und Kuba-Korrespondent in Havanna