In dieser Ausgabe der „Sternstunde Philosophie“ diskutiert Moderatorin Olivia Röllin mit dem Astronomen Florian Freistetter über die visuelle Erschließung des Kosmos. Die epistemologische Grundannahme des Gesprächs ist streng szientistisch: Menschliche Sinne seien unzureichend, erst technologische Prothesen wie Infrarotteleskope würden objektive Wahrheit generieren. Astronomie wird als historische Rekonstruktionsarbeit gerahmt, bei der Licht als unbestechlicher Datenträger fungiert. Der technologische Fortschritt der Forschung wird dabei durchgängig als fragloser Selbstzweck und evolutionärer Erkenntnisschritt der Menschheit gesetzt. Alternative oder kulturgeschichtliche Deutungen des Sternenhimmels haben in diesem streng physikalisch geprägten Diskurs keinen Platz. ### Zentrale Punkte * **Licht als exklusive Datenquelle** Freistetter erkläre, dass Licht die einzige Informationsquelle der Astronomie sei. Anders als in anderen Naturwissenschaften sei eine physische Interaktion mit den untersuchten Objekten unmöglich. * **Technologische Wahrnehmungserweiterung** Röllin und Freistetter würden darlegen, dass das menschliche Auge für die Erforschung des Alls ungeeignet sei. Erst Instrumente für unsichtbare Strahlung machten das Universum lesbar. * **Das Materie-Antimaterie-Rätsel** Beim Urknall sei laut Freistetter Materie und Antimaterie symmetrisch entstanden. Warum heute dennoch feste Materie existiere und sich nicht alles gegenseitig ausgelöscht habe, bleibe ungeklärt. ### Einordnung Die Episode besticht durch Freistetters Talent, hochkomplexe Astrophysik durch Alltagsmetaphern anschaulich zu machen. Astronomie wird eindrücklich als eine Disziplin gerahmt, in der man sei wie in einem Museum, in dem es heiße: „nur schauen, nichts anfassen“. Problematisch ist jedoch das vollständige Ausbleiben einer philosophischen oder wissenschaftskritischen Perspektive. Obwohl es sich um ein Philosophie-Format handelt, verbleibt das Gespräch in reiner Wissenschaftskommunikation. Der immense sozioökonomische Ressourcenaufwand von Großprojekten wie dem CERN oder Weltraumteleskopen wird als absolute epistemologische Notwendigkeit naturalisiert und kritiklosen hingenommen. **Hörempfehlung**: Lohnenswert für alle, die komplexe physikalische Zusammenhänge rund um den Urknall leicht verständlich und bildhaft erklärt bekommen möchten. ### Sprecher:innen * **Olivia Röllin** – Moderatorin, fragt aus der Perspektive der interessierten Laiin * **Florian Freistetter** – Astronom und Autor, erklärt die physikalischen Konzepte * **Sandro de La Torre** – SRF-Wissenschaftsredaktor, ordnet die Arbeit am CERN ein