Wissenschaft im Brennpunkt: Besser impfen - Warum die mRNA erst am Anfang steht
Ein Ausblick auf die nächste Generation der mRNA-Vakzine, neue Verabreichungsformen und die politischen Hürden unter einer US-Regierung Trump.
Wissenschaft im Brennpunkt
27 min read1535 min audioIm Jahr 2026 blickt das Feature auf die Weiterentwicklung der mRNA-Technologie zurück und nach vorn. Die Erzählung rahmt den wissenschaftlichen Fortschritt als notwendigen, evolutionären Prozess: Nach dem "Erfolg" der Corona-Impfstoffe stehe nun die Optimierung von Verträglichkeit und Logistik im Fokus.
Technologische Innovation wird hierbei als primäre Lösung für strukturelle Probleme präsentiert. Ob globale Verteilungsgerechtigkeit oder Impfskepsis – die Antworten werden in biochemischen Verbesserungen (Pulverform, neue Lipide) gesucht. Parallel wird ein geopolitisches Spannungsfeld aufgemacht: Die evidenzbasierte Forschung in Europa wird als Gegenpol zu einer wissenschaftsfeindlichen Politik in den USA positioniert.
### Zentrale Punkte
* **Inhalation statt Injektion**
Merkel erläutere, dass pulverförmige Impfstoffe die Kühlkette überflüssig machten und somit die globale Verteilung erleichterten. Zudem erzeuge die Aufnahme über die Schleimhaut eine spezifische Immunität, die Infektionen effektiver verhindere als die Spritze.
* **Reduktion von Nebenwirkungen**
Um Entzündungsreaktionen durch die Lipid-Hülle zu minimieren, arbeite man an „randomisierten Pegs“. Pa betone, dass diese strukturveränderten Moleküle vom Immunsystem nicht mehr als fremd erkannt würden, was allergische Schocks verhindere.
* **Politische Ökonomie der Forschung**
Richter beobachte, dass Pharmafirmen ihre Ressourcen zunehmend von Impfstoffen hin zu Krebstherapien verschöben, da in den USA staatliche Förderungen gestrichen würden. Protzer warne vor einem gefährlichen Ersatz klinischer Studien durch Laien-Meldesysteme.
### Einordnung
Die Episode besticht durch eine hohe fachliche Dichte und lässt Expert:innen aus Wissenschaft und Industrie zu Wort kommen, die komplexe biochemische Prozesse (wie die Rolle von Lipid-Nanopartikeln bei Nebenwirkungen) verständlich aufschlüsseln. Positiv hervorzuheben ist, dass Kritik an Nebenwirkungen (Myokarditis, Post-Vac) nicht abgewehrt, sondern biochemisch erklärt und als Motor für Innovation gerahmt wird. Kritisch zu betrachten ist der implizite Techno-Solutionismus: Soziale Probleme wie "Nadelphobie" oder globale Ungleichheit werden primär als technische Lieferprobleme behandelt. Ökonomische Zwänge der Pharmaindustrie werden zwar benannt, aber als naturgegebene Reaktion auf politische Entscheidungen dargestellt, ohne die Profitlogik im Gesundheitswesen selbst zu hinterfragen. Protzer spitzt die Gefahr des politischen Wandels in den USA zu:
> "Jeder kann halt mal irgendwas nehmen und kann dann auf einer Plattform berichten, ob es gut ging oder nicht. Ich halte das für ein sehr gefährliches Vorgehen."
**Hörempfehlung**: Lohnt sich für Hörer:innen, die den aktuellen Stand der Biotech-Forschung jenseits der Pandemie-Aufregung verstehen wollen und sich für die Schnittstelle von Wissenschaft und US-Politik interessieren.
### Sprecher:innen
* **Olivia Merkel** – Professorin für Drug Delivery, LMU München (Fokus: Inhalationssysteme)
* **Ulrike Protzer** – Virologin, TU München/Helmholtz Zentrum (Fokus: Impfsicherheit)
* **Michael Pa** – Forscher im Bereich Lipide, Evonik/Ionik (Fokus: Nanopartikel)
* **Hagen Richter** – Innovationsleiter Biopharma, Wacker Chemie AG (Fokus: Produktion)