Die AfD-Umfragewerte steigen immer weiter, und die Altkanzlerin Angela Merkel wird reaktiviert, um die Demokratie vor der AfD zu retten. So jedenfalls die Erzählung in dieser COMPACT-TV-Folge. Die Moderator:innen Dr. Stephanie Elsässer und Dominik Reichert kommentieren die aktuelle politische Lage und verknüpfen sie mit Werbung für AfD-nahe Medaillen.
Umfragen sähen Panik bei den Altparteien
Nach Darstellung der Moderator:innen läge die AfD bundesweit bei 29 Prozent und Alice Weidel auf Platz 4 der Beliebtheitsskala. Dies sei „eine Sensation“, die den „alten BRD-Eliten große Angst“ mache. Deshalb werde Merkel nun wieder „ausgegraben“, um die CDU vor dem Absturz zu bewahren.
Boris Pistorius' Spitzenplatz sei „Wahnsinn“
Dass der SPD-Verteidigungsminister auf Platz 1 des Rankings stehe, sei für Dominik Reichert „absoluter Wahnsinn“, da dieser Deutschland in die Konfrontation mit Russland treibe. Die Bewertung ist hoch emotional und politisch einseitig, wird aber als Faktum präsentiert.
Die AfD solle eine CDU-Minderheitsregierung nicht tolerieren
Reichert warnt eindringlich vor diesem Szenario, weil die AfD dann gezwungen wäre, „die außenpolitische Ausrichtung der Union mitzutragen“ und sich an „Kriegstüchtigkeit“ zu beteiligen. Migration allein sei nicht entscheidend, wenn „wir dann alle im Krieg sterben“.
Merkel habe eine demokratische Wahl rückgängig gemacht
Mit Verweis auf die Wahl in Thüringen 2020 wird Merkel als „Antidemokratin“ und „Diktatorin“ bezeichnet. Sie habe sich „diktatorisch verhalten“ und das Volk verraten. Diese Zuschreibung untermauert die Opfererzählung der AfD.
Merkel werfe der AfD Elitenfeindlichkeit vor – das sei positiv umzudeuten
Ein Clip, in dem Merkel sagt, die AfD definiere, wer Volk und wer Elite sei, wird als Versprecher oder Fehlinterpretation gewertet. Die Moderator:innen deuten dies als klassenkämpferische Analyse um, die die AfD ruhig mehr verfolgen könne – ein rhetorischer Kniff, um den Vorwurf ins Positive zu wenden.
Kommerzielle Verflechtung: AfD-Politiker als Medaillenmotiv
Während der Sendung werden mehrfach Silbermedaillen mit den Konterfeis von Alice Weidel, Björn Höcke und Tino Chrupalla beworben. Die politische Botschaft und das Geschäftsmodell des Kanals verschmelzen so miteinander.
Einordnung
Das COMPACT-TV-Format präsentiert sich als politischer Kommentar, ist jedoch eine propagandistische Plattform der Neuen Rechten. Die beiden Sprecher:innen geben sich als unabhängige Analyst:innen, betreiben aber durchgängig eine extreme Zuspitzung zugunsten der AfD. Es werden klare Feindbilder konstruiert: die „Altparteien“, die „BRD-Eliten“ und allen voran Angela Merkel als „Diktatorin“ und „Verräterin“. Die sprachliche Entgleisung ist dabei Methode, keine Ausnahme. Kritik an der eigenen Position existiert nicht; die AfD wird an keiner Stelle hinterfragt, sondern konsequent als einzig legitime Vertretung des Volkes inszeniert. Selbst die vorsichtige Skepsis Reicherts gegenüber einer Minderheitsregierung bleibt innerhalb des Narrativs, die AfD solle sich nicht von den „Altparteien“ korrumpieren lassen. Die Einspieler mit Merkel dienen als Kontrastfolie, um die eigene Botschaft zu verstärken. Visuell unterlegen Umfragegrafiken und die beworbenen Medaillen die parteiische Agenda mit einem trügerischen Objektivitätsanspruch. Dass die Einblendungen von Insa-Daten und das Hochhalten des Souveränitätsbegriffs mit antidemokratischen Verächtlichmachungen einhergehen, offenbart den strategischen Charakter: Der demokratische Prozess wird nur dann akzeptiert, wenn er die AfD stärkt. Die wiederholten Diktaturvorwürfe gegen Merkel bedienen zudem eine geschichtsrevisionistische Rhetorik, die die politische Gegnerin delegitimiert. Wer eine ausgewogene Diskussion oder journalistische Einordnung erwartet, wird hier nicht fündig – die Sendung ist ein werbliches Vehikel für eine bestimmte politische Bewegung.
Sehwarnung. Das Video bietet keine politische Analyse, sondern betreibt unverhohlenen Wahlkampf für die AfD mit propagandistischen Mitteln. Die reißerischen Zuspitzungen und demokratiefeindlichen Untertöne machen es selbst für politisch Interessierte wenig empfehlenswert.