Lisa Needham von Public Notice analysiert einen 123-seitigen Bericht von Michael Kratsios, dem Direktor des White House Office of Science and Technology Policy. Der Bericht soll eine „goldene Ära der Wissenschaft“ einläuten, wird aber als Frontalangriff auf das seit 1945 gültige Modell staatlicher Forschungsförderung entlarvt. Statt Universitäten für ergebnisoffene Grundlagenforschung zu finanzieren, will Kratsios Milliarden unkompliziert an KI-Unternehmen und Verteidigungsprojekte durchreichen.

Der Text strotzt vor Business-Jargon, und der Autor hält fest, dass Kratsios selbst keinerlei wissenschaftlichen Hintergrund hat – seine Karriere führte von Peter Thiels Investmentfirma zu Scale AI, einem Unternehmen mit engen Verbindungen zum Pentagon. Die vorgeschlagenen Finanzierungsmodelle sind pointiert dargestellt: „Fast Grants“ mit auf wenige Seiten vereinfachten Anträgen und „Golden Tickets“, bei denen eine Einzelperson in einer Behörde Gelder nach Belieben vergeben kann. Dies untergrabe bewährte Peer-Review-Verfahren gezielt. Ein zentraler Vorwurf lautet, dass diese Anreize nicht der wissenschaftlichen Erkenntnis dienten, sondern lediglich dazu, „mit Steuergeldern Dinge zu entwickeln, die man dann für noch mehr Steuergelder an die Regierung verkaufen kann“.

Gleichzeitig werde die universitäre Forschung durch geplante politische Genehmigungspflichten stranguliert, während der Bericht eine angebliche „Überabhängigkeit von ausländischen Studierenden“ als Sicherheitsrisiko geißelt – obwohl diese jährlich über 43 Milliarden Dollar zur US-Wirtschaft beitragen und heimische Stipendien quersubventionieren. Die Autorin warnt, dass diese Politik fatale Folgen hätte, da bahnbrechende Innovationen wie Ozempic oder essenzielle Internet-Algorithmen aus langjähriger Grundlagenforschung entstanden sind, die kein Unternehmen finanziert hätte.

Einordnung

Der Beitrag ist eine fundierte, aber stark meinungsgetriebene Kritik aus einer pro-wissenschaftlichen, liberalen Perspektive. Er blendet die Möglichkeit aus, dass es in Teilen des universitären Apparats tatsächlich Ineffizienzen geben könnte, und stellt die gesamte Reformdebatte vereinfachend als reinen Beutezug von Big Tech dar. Stimmen, die eine anwendungsorientiertere Forschung im geopolitischen Wettbewerb mit China für nötig halten, kommen nicht vor. Das Framing als Kampf zwischen reinem Erkenntnisdrang und korrupter Profitgier ist rhetorisch wirkungsvoll, lässt aber keine Zwischentöne zu.

Dennoch ist der Newsletter lesenswert für alle, die die konkreten Mechanismen verstehen wollen, mit denen die Trump-Administration versucht, die Wissenschaftslandschaft zu politisieren und zu privatisieren – vorausgesetzt, man hält die mitunter polemische Empörungssprache aus.