Im COMPACT-Magazin-Format diskutieren Chefredakteur Jürgen Elsässer und sein Gast Peter Feist über die Augustausgabe und konzentrieren sich dabei auf angebliche Geheimdienstaktivitäten und Einflussnahme innerhalb der AfD. Im Zentrum steht Tom Rohrbach, den die Moderatoren als „Söldner“ und Einflussagenten eines internationalen Konsortiums beschreiben, der angeblich Kontakte zu zahlreichen Bundestagsabgeordneten unterhalten haben soll.

1. Rohrbach als mutmaßlicher Einflussagent

Es werde berichtet, dass Tom Rohrbach sich selbst als Söldner eines transatlantischen Konsortiums bezeichne, das im Auftrag von Nachrichtendiensten Informationen über die AfD sammle. Jürgen Elsässer behaupte, dass es weltweit kaum vergleichbare Fälle gebe, in denen eine Person so offen ihre Geheimdienstkontakte zugegeben habe. Peter Feist ergänze, dass Rohrbach zwar als extrem gut vernetzt beschrieben werde, die kolportierten Kontakte zur Hälfte der Bundestagsfraktion jedoch rein mathematisch kaum realistisch seien.

2. Mutmaßliche Interventionen in parteiinterne Besetzungen

Es werde thematisiert, dass Rohrbach in der Vergangenheit maßgeblichen Einfluss auf Personalentscheidungen innerhalb der Partei ausgeübt haben solle. So behaupte der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hans-Jörg Müller, dass Rohrbach den Aufstieg Corinna Miatzkas zur bayerischen Landesvorsitzenden orchestriert habe. Zudem äußere Rohrbach in einem Interview die Ansicht, dass er auch den politischen Aufstieg von Alice Weidel begünstigt habe, was von Parteivertreter:innen jedoch vehement bestritten werde.

3. Widersprüchliche Aussagen und Belege

Es gäbe verschiedene, teils widersprüchliche Zeugenaussagen bezüglich Rohrbachs tatsächlicher Macht und seiner Verbindung zu Alice Weidel. Während eine ehemalige Mitarbeiterin schildere, der verstorbene Abgeordnete Martin Hebner sei schockiert gewesen, als er Weisungen von Rohrbach auf Weidels Mobiltelefon gesehen haben wolle, weise Weidels Sprecher diesen Vorwurf als geschmacklose Instrumentalisierung eines Toten zurück. Björn Höcke stehe einem Treffen mit Rohrbach aus dem Jahr 2018 ebenfalls kritisch gegenüber und erinnere sich nicht an entsprechende Aussagen.

4. Systemische Einordnung von Geheimdiensten in Parteien

Peter Feist führe aus, dass die Unterwanderung von Parteien durch Nachrichtendienste ein historisch bekanntes Phänomen sei, das bereits beim gescheiterten NPD-Verbotsverfahren eine Rolle gespielt habe. Er unterscheide dabei zwischen vier Typen von Agenten: Lockspitzeln zur Erzeugung von Straftaten, klassischen Spionen, Einflussagenten und Personen zur Zersetzung sozialer Strukturen. Rohrbach werde dabei klar der Kategorie der Einflussagenten zugeordnet.

5. Parallelen zu anderen politischen Kräften

Es werde der Versuch unternommen, die Mechanismen der Einflussnahme auf andere politische Formationen zu übertragen. Peter Feist verweise auf angebliche US-Botschaftsdepeschen aus dem Jahr 2010, wonach der Politiker Gregor Gysi in ähnlicher Weise als transatlantischer Einflussagent für die Linkspartei agiert haben könne. Damit solle untermauert werden, dass geheimdienstliche Steuerung ein allgemeines Problem des etablierten Parteiensystems darstelle.

6. Widerstandskraft der Partei

Abschließend zeigten sich beide Gesprächspartner überzeugt davon, dass die AfD stark genug sei, um derartigen Unterwanderungsversuchen zu trotzen. Trotz massiver digitaler Überwachung und gezielter Platzierungsversuche durch staatliche Akteure werde es immer wieder patriotische Kräfte geben, die sich solchen Manipulationen entgegenstellen und die parteiinterne Integrität bewahren würden.

Einordnung

Das Video präsentiert sich im gewohnten Rahmen des COMPACT-Magazins als publizistisches Gespräch mit stark geframtem Charakter. Die Machart bedient sich klassischer Mechanismen der Skandalisierung, indem ungeprüfte oder einseitige Behauptungen eines umstrittenen Akteurs ins Zentrum gestellt und mit spekulativen Deutungen verknüpft werden. Kritisch fällt auf, dass komplexe politische Vorgänge und innerparteiliche Dynamiken auf das Narrativ einer externen Steuerung durch westliche Geheimdienste reduziert werden. Dabei wird eine paranoide Grundstimmung bedient, in der etablierte politische Prozesse grundsätzlich als manipuliert und fremdgesteuert erscheinen.

Rhetorisch arbeiten die Moderatoren mit einer Vermengung von tatsächlichen Recherche-Fragmenten, unbelegten Behauptungen und historischen Analogien, wobei der Übergang zwischen gesichertem Faktum und Spekulation oft verschwimmt. Der Moderator inszeniert sich und sein Medium dabei als exklusiven Aufklärer, der als einziges alternatives Sprachrohr brisante Machenschaften aufdecke. Differenzierende Perspektiven oder ernsthafte Belege für die weitreichenden Verschwörungsthesen fehlen weitgehend; stattdessen dienen widersprüchliche Aussagen vor allem dazu, das übergeordnete Feindbild eines intransparenten, transatlantischen Einflusses zu bedienen. Insgesamt reproduziert das Format autoritäre Deutungsmuster und stärkt gezielt ein Opfer- und Widerstandsnapativ zugunsten der besprochenen Partei.

Sehwarnung: Das Video bedient stark voreingenommene Verschwörungserzählungen und erfordert ein hohes Maß an Medienkompetenz, um die selektive Beweisführung und die tendenziöse Machart zu durchschauen.