Männer weinen heimlich: Tigges trifft Leila Lowfire in ihrem Atelier
Leila Lowfire spricht mit Sebastian Tigges über die Krise ihres Labels Mooniac, toxische Positivität und männlichen Performance-Druck.
Männer weinen heimlich
52 min read2865 min audioIn der ersten Episode seines neuen Interview-Formats besucht Sebastian Tigges die Podcasterin und Unternehmerin Leila Lowfire in den Räumlichkeiten ihres Bademoden-Labels Mooniac. Das Gespräch pendelt fließend zwischen persönlicher Krisenbewältigung, unternehmerischer Verantwortung und gesellschaftlichen Rollenbildern. Im Zentrum steht Lowfires offener Umgang mit dem drohenden finanziellen Scheitern ihres Unternehmens, was als bewusster Kontrast zu klassischen, rein auf stetiges Wachstum und Erfolg getrimmten Gründungsnarrativen inszeniert wird.
Zudem verhandeln die beiden Sprecher:innen intime Themen wie männlichen Performance-Druck beim Sex, die Grenzen der Privatsphäre in der Öffentlichkeit sowie das Phänomen performativer männlicher Feministen. Dabei wird das Konzept der kleinen bürgerlichen Kernfamilie im Vorbeigehen als unnatürliches und potenziell elternfeindliches System gerahmt. Das Format bleibt durchgehend nah an den persönlichen Erfahrungswelten der Beteiligten, verknüpft diese aber regelmäßig mit größeren strukturpolitischen Fragen.
### Zentrale Punkte
* **Unternehmerisches Scheitern**
Lowfire berichte, dass ihr Label Mooniac nach gescheiterten Investorengesprächen vor dem Aus stehe. Sie verzichte bewusst auf das Narrativ der mühelosen Machbarkeit und betone den mentalen Tribut.
* **Männlicher Performance-Druck**
Auf Tigges' Beobachtung, Männer seien von offenen Frauengesprächen über Sex eingeschüchtert, entgegne Lowfire, dies liege an patriarchalen Strukturen, die Männern ein Unfehlbarkeitsbild diktierten.
* **Performativer Feminismus**
Männer dürften sich laut Lowfire als Feministen bezeichnen, wenn Taten folgten. Sie warne jedoch vor Männern, die feministische Vokabeln gezielt nutzten, um sich als sicherer Raum zu inszenieren.
* **Grenzen der Öffentlichkeit**
Trotz ihrer Rolle bei der sexuellen Aufklärung ziehe Lowfire klare Grenzen bei ihrer Mutterschaft. Sie vermeide es, negative Emotionen über das Elternsein in die Öffentlichkeit zu tragen.
### Einordnung
Das persönliche Gesprächsformat leistet eine ungewöhnlich ehrliche Dekonstruktion des gängigen Start-up-Narrativs. Lowfires Weigerung, das drohende Aus ihres Labels mit toxischer Positivität zu überspielen, schafft Raum für Vulnerabilität. Auch die Diskussion über Feminismus gelingt differenziert, da Lowfire den Missbrauch progressiver Sprache treffend benennt, wenn Männer angelesenen Therapiejargon „weaponizen, um andere Leute irgendwie fertig zu machen“. Kritisch fällt auf, dass Tigges teils stark aus seiner eigenen Befindlichkeit heraus fragt. Wenn er beschreibt, wie Männer von selbstbestimmten Frauen verunsichert werden, rahmt er dies vorrangig als individuelles Konkurrenzgefühl. Dennoch entsteht ein unaufgeregter Dialog, der patriarchale Rollenbilder anschaulich hinterfragt.
### Sprecher:innen
* **Sebastian Tigges** – Podcaster, Kolumnist und Moderator des Formats
* **Leila Lowfire** – Podcasterin, Unternehmerin und Gründerin des Labels Mooniac