Moderatorin Theresa Brenner spricht mit dem Journalisten Patrick Stegemann über dessen Podcast „REICH – Das Geschäft mit dem Zweifel“. Die Recherche beginnt auf einer Konferenz des EIKE-Instituts in Halle, wo laut Stegemann Klimaskeptiker:innen bei über 40 Grad feierten, dass das Klima kein Thema mehr sei. Stegemann beschreibe, wie in dieser Szene Argumente kursierten, die teils jahrzehntealt seien und von PR-Maschinen stammten. Das sei kein Zufall, sondern ein Geschäftsmodell: Zweifel am menschengemachten Klimawandel werde seit Jahrzehnten als Produkt verkauft.
Zentrale Punkte
- Zweifel als Produkt Stegemann beschreibe eine Szene, in der Zweifel am Klimawandel gezielt als Produkt verkauft würden. Viele Argumente seien nicht neu, sondern jahrzehntealt und von PR-Maschinen der Tabak- und Ölindustrie in die Welt gesetzt worden.
- Ein PR-Profi als Vorbild Im Zentrum stehe der US-PR-Berater Rick Berman, genannt „Dr. Evil“. Er habe Methoden entwickelt, Interessen zu verschleiern, und habe einst trauernde Mütter gegen Trunkenheit am Steuer öffentlich angegriffen. Diese Techniken seien später auf die Klimadebatte übertragen worden.
- Vom Klimakonsens zur Polarisierung In den 1980ern habe es in den USA und Deutschland einen parteiübergreifenden Konsens für Klimaschutz gegeben. Von Öl- und Kohleindustrie finanzierte Gruppen hätten diesen Konsens gezielt attackiert, etwa durch persönliche Angriffe auf den IPCC-Autor Ben Santer nach dem Bericht von 1995.
Einordnung
Die Episode überzeugt durch eine gut belegte, historisch breite Recherche, die Belege aus Tabakindustrie-Archiven nutzt und Betroffene wie den IPCC-Autor Ben Santer zu Wort kommen lässt. Das macht die Mechanismen verständlich: Wissenschaftliche Einigkeit wird in eine offene Streitfrage verwandelt.
Kritisch bleibt, dass die Erzählung voraussetzt, einer aufgeklärten Öffentlichkeit sei von organisierten Zweifel-Industrien die Wahrheit vorenthalten worden. Strukturelle wirtschaftliche Abhängigkeiten von fossilen Energien treten dahinter zurück. Klimaskeptiker:innen kommen vor allem als Beleg für Manipulation vor, nicht mit ihren eigenen Argumenten. Ein Zitat veranschaulicht den selbstbewussten Ton: „It's over. We won, let's go home.“
Hörempfehlung: Für alle, die verstehen wollen, wie Klima-Debatten geprägt wurden und welche PR-Methoden dahinterstehen, lohnt sich diese Folge.
Sprecher:innen
- Theresa Brenner – Moderatorin, ARD Klima Update
- Patrick Stegemann – Journalist, Co-Host von „REICH – Das Geschäft mit dem Zweifel“