Servus. Grüezi. Hallo.: Wie bekommt ihr Deepfakes in den Griff?
Von Deepfake-Pornos bis zum Aussterben deutscher Dialekte: Eine transalpine Debatte über rechtliche Lücken und kulturelle Identität.
Servus. Grüezi. Hallo.
64 min read3458 min audioIn der aktuellen Episode diskutieren Lenz Jacobsen, Matthias Daum und Florian Gasser den gesellschaftlichen Umgang mit digitaler sexualisierter Gewalt. Aufhänger ist der Prominentenfall Ulmen/Fernandes, der als Ausgangspunkt für eine Debatte über strukturelle Defizite und Gesetzesverschärfungen rund um KI-generierte Deepfakes dient. Dabei wird juristische Regulierung – etwa durch den "AI Act" der EU oder das "spanische Modell" – als primärer und alternativloser Lösungsansatz gerahmt.
Im zweiten Teil verhandeln die Hosts Dialekte als kulturelle Abgrenzungsmerkmale. Dabei wird eine gesellschaftliche Hierarchisierung als selbstverständlich vorausgesetzt, in der Hochdeutsch als Code des akademischen Milieus fungiert, während Mundarten zunehmend ins Regionale verdrängt würden.
### Zentrale Punkte
* **Deepfakes und Strafrecht**
Gasser und Jacobsen argumentierten, dass neue Technologien wie KI-generierte Pornos zwingend eigene Straftatbestände erforderten, da bisherige Gesetze den Opferschutz nicht gewährleisten könnten.
* **Skepsis an Anlassgesetzgebung**
Daum wende ein, dass aus Skandalen resultierende, schnelle Gesetzesänderungen politisch motiviert seien und die bestehende zivilrechtliche Lage teilweise bereits ausreichende Handhabe böte.
* **Männliche Mittäterschaft**
Jacobsen merke an, dass eine deutliche Diskrepanz zwischen der hohen Zahl weiblicher Betroffener und der mangelnden Wahrnehmung von Tätern in männlichen Freundeskreisen bestehe.
* **Soziales Gefälle bei Dialekten**
Es werde festgestellt, dass Hochdeutsch in Deutschland stark als Bildungsmarker gelte, weshalb Zugezogene in urbanen Milieus ihre regionalen Dialekte oft aus Anpassungsdruck ablegten.
### Einordnung
Die Episode leistet eine gelungene Überführung eines boulevardesken Einzelfalls in eine strukturelle Debatte über sexualisierte digitale Gewalt. Die internationale Perspektive (DACH-Raum plus EU-Recht) zeigt aufschlussreich, wie unterschiedlich technologischer Wandel juristisch gefasst wird. Kritisch anzumerken ist, dass die Diskussion stark auf einer theoretisch-juristischen Ebene verbleibt. Die Perspektiven von nicht-prominenten Betroffenen digitaler Gewalt fehlen. Zudem wird bei der Dialekt-Diskussion die Setzung, dass Hochdeutsch gleichbedeutend mit Bildung sei, zwar benannt, aber nicht tiefgreifend dekonstruiert. Sprachlich interessant ist, wie die Nutzung von Promi-Fällen für politische Zwecke als taktische Notwendigkeit legitimiert wird. Jacobsen rechtfertigt dies mit der Begründung: „es reicht nicht, das abstrakt zu diskutieren, dann funktioniert es einfach nicht.“
**Hörempfehlung**: Lohnenswert für Hörer:innen, die sich für den juristischen Flickenteppich bei der Regulierung von KI und Deepfakes im europäischen Vergleich interessieren.
### Sprecher:innen
* **Lenz Jacobsen** – Politikredakteur im Feuilleton der Zeit in Berlin
* **Matthias Daum** – Leiter der Schweizer Ausgabe der Zeit in Zürich
* **Florian Gasser** – Leiter der Österreich-Ausgabe der Zeit in Wien