In diesem Gespräch stellt Sabine Kröhn ihr Buch „42 systemische Hacks“ vor und entfaltet ein Verständnis von Organisationen, das sich von einer verbreiteten Vorstellung der Plan- und Steuerbarkeit verabschiedet. Organisationen werden hier konsequent als soziale Systeme gedacht, in denen das Unerwartete und die Eigendynamik sozialer Prozesse zum Normalfall erklärt werden. Als selbstverständlich gesetzt wird die systemtheoretische Prämisse, dass Interventionen keine direkten Wirkungen erzielen, sondern nur Wahrscheinlichkeiten verschieben können. Die titelgebenden „Hacks“ werden als Denkwerkzeuge eingeführt, die festgefahrene Sichtweisen aufbrechen und so die Aufmerksamkeit auf das soziale Geschehen in Entscheidungsprozessen lenken sollen.

Zentrale Punkte

  • Organisationen als soziale Systeme Ein landläufiges Verständnis gehe von durchsteuerbaren, determinierbaren Organisationen aus und ignoriere dabei die soziale Dimension von Entscheidungsprozessen. Der systemtheoretische Ansatz stelle das soziale Geschehen in den Mittelpunkt und gelange so zu anderen, unerwarteteren Interventionen.
  • Personal als unflexible Entscheidungsprämisse Personal sei eine kaum revidierbare Entscheidungsprämisse, deren Wert sich mit den Umweltanforderungen der Organisation verändere. Ein heute passender „Ass“ könne morgen eine „Lusche“ sein, und die eigentliche Lösung liege in der Einstellung von adaptions- und lernfähigen Personen, nicht in perfekter Vorauswahl.

Einordnung

Das Gespräch ist eine fokussierte und für ein Fachpublikum aufbereitete Buchvorstellung, die Theorie und Praxis anhand eines konkreten, bildhaften Beispiels verknüpft. Die Stärke liegt in der eleganten Übersetzung systemtheoretischer Konzepte in alltagstaugliche Fragestellungen, etwa wenn das Konzept der „Entscheidungsprämissen“ am verständlichen und fast spielerischen Bild von Joker, Ass oder Lusche erläutert wird. Dies macht die abstrakte Theorie für Praktiker:innen unmittelbar anschlussfähig und nachvollziehbar.

Die existenzielle Angewiesenheit von Mitarbeitenden auf Erwerbsarbeit und die Machtverhältnisse, die mit derartigen Zuschreibungen – jemand sei eine „Lusche“ – einhergehen, werden nicht berührt. Indem die Episode Personal einseitig als flexibel oder unflexibel im Hinblick auf den Organisationszweck betrachtet, bleibt sie in einer funktionalen Logik, die die Perspektive der so Beschriebenen ausblendet. Das Gespräch navigiert zwischen der theoretischen Fundierung und praktischen Handlungsempfehlungen, wie es etwa der Ratschlag zeigt: „Ich empfehle Personalentscheidungen zu treffen, wo man Leute einstellt, die vielleicht nicht hundertprozentig von der Qualifikation passen, aber eine Adaption und Lernfähigkeit mitbringen“.

Sprecher:innen

  • Matthias – Host bei Carl-Auer Sounds of Science
  • Sabine Kröhn – Diplom-Ingenieurin, systemische Beraterin und Autorin von „42 systemische Hacks“