In dieser Episode begleitet Gordon Repinski Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) auf einem Spaziergang durch das Berliner Regierungsviertel. Das Format ist bewusst locker gehalten und wechselt zwischen persönlichen Einblicken in Bärs Büroalltag und politischen Themen. Im Zentrum stehen Bärs eigene Schwerpunkte: die Schließung des Gender Data Gap in der Medizin, der Ausbau der Raumfahrt und die Förderung der Kernfusion. Bär präsentiert sich als pragmatische Macherin, die technologischen Lösungen prioritär setzt. Diskurse um Energiesicherheit oder digitale Souveränität werden durchgehend als Wettbewerbs- und Standortfrage gerahmt. Die Notwendigkeit technologischer Großprojekte wie Kernfusion oder KI-Gigafactories wird dabei als selbstverständlich vorausgesetzt, kritische Nachfragen zu Risiken oder Alternativen bleiben weitgehend aus.
Zentrale Punkte
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Gender Data Gap in der Medizin Bär erkläre, dass Frauen in der Gesundheitsforschung jahrhundertelang vernachlässigt worden seien, da der männliche Körper als Maß gelte. Sie begründe die historische Ausblendung des weiblichen Körpers unter anderem damit, dass dieser durch Hormonschwankungen und Zyklus für die Forschung komplizierter sei. Ein neues Frauengesundheitsreferat solle diesen Datenmangel nun schließen.
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Frauen in der Politik und Hass Die Ministerin betone, dass Frauen in der Politik nach wie vor strukturelle Hindernisse und sexualisierte Gewalt bis hin zu Morddrohungen erlebten. Sie bezeichne sich als Erfahrungsfeministin und befürworte die Quote als notwendige Krücke, da viele Frauen aufgrund der massiven Angriffe von politischen Ämtern Abstand nähmen.
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Kernfusion und Raumfahrt als Lösung Bär stufe die Kernfusion als realistische Energiequelle der 2030er Jahre ein und verorte sie als Schlüsseltechnologie. Klassische Kernkraft fördere sie nicht aktiv, da der Haushalt endlich sei, jedoch solle es bei neuen Entwicklungen keine Denkverbote geben. Bei der Mondmission strebe sie an, dass der erste Europäer ein Deutscher sei.
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KI-Souveränität und Söder-Verhältnis Die Ministerin treibe europäische KI-Gigafactories voran, um digitale Souveränität zu erreichen, wobei die Finanzierung durch die EU-Kommission noch offen sei. Ihr Verhältnis zu Markus Söder beschreibe sie als sehr gut; seinen umstrittenen Kommentar, sie solle Geld rüberbringen, deute sie als verunglückt und nicht böse gemeint.
Einordnung
Die Episode bietet seltene persönliche Einblicke in den Alltag einer Ministerin und beleuchtet anschaulich die strukturellen Nachteile von Frauen in Wissenschaft und Politik. Besonders die Schilderung sexualisierter Angriffe auf Politikerinnen ist ein wichtiger Punkt, der in Formaten dieser Art oft untergeht. Das lockere Spaziergangsformat begünstigt eine offene Atmosphäre, in der Bär auch persönliche Präferenzen wie ihre Zuneigung zum FC Bayern teilt.
Schwächen zeigt das Gespräch bei der kritischen Einordnung politischer Positionen. Technologische Großprojekte wie Kernfusion werden als unhinterfragte Lösung präsentiert; die massive Ressourcenbindung und die Fragwürdigkeit der Machbarkeit bleiben ausgeblendet. Wenn Bär erklärt, bei der Kernkraft dürfe es keine „Denkverbote“ geben, wird ein Argumentationsmuster der Atom-Befürworter unhinterfragt übernommen. Zudem lässt Repinski es zu, dass Bär Söders sexistischen Kommentar als bloß verunglückt relativiert, ohne dies kritisch zu hinterfragen. Der Einzug der AfD in ihren Kreistag wird als beiläufiges Faktum genannt, ohne die eigene politische Mitverantwortung für diese Diskursverschiebung zu thematisieren.
Sprecher:innen
- Gordon Repinski – Politico Executive Editor & Podcast-Host
- Dorothee Bär – Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt (CSU)