Anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden spricht Nora Schmidt, Geschäftsführerin des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge, über den Reformstau in der Pflege. Im Zentrum steht dabei die Annahme, dass die aktuelle Finanzierung der Pflegeversicherung nicht mehr tragfähig sei und dass pflegende Angehörige als tragende Säule des Systems systematisch übersehen würden. Die Sendung vom 12.05.2026 verhandelt dies als eine Frage der politischen Steuerung: Es gehe vor allem um Beitrags- und Steuermodelle, um die Krise zu lösen.
Zentrale Punkte
- Ungleichgewicht der Pflegeversicherung Die soziale Pflegeversicherung leide unter steigenden Ausgaben und stagnierenden Einnahmen. Um sie zukunftsfest zu machen, fordert Schmidt einen Ausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung sowie einen zweckgebundenen Steuerzuschuss für versicherungsfremde Leistungen.
- Familienpflegegeld als Hebel Für privat pflegende Angehörige sei der größte Einschnitt die Reduzierung oder Aufgabe der Erwerbsarbeit. Ein staatliches Familienpflegegeld nach dem Vorbild des Elterngeldes könnte diesen Verdienstausfall abfedern und wäre eine konkrete Entlastung – werde aber aus Haushaltsgründen nicht angegangen.
Einordnung
Das Gespräch bietet eine strukturierte und fachlich fundierte Übersicht über die drängendsten Baustellen der Pflegefinanzierung. Es gelingt, die diffuse „Krise der Pflege“ auf zwei klare politische Handlungsfelder herunterzubrechen: die Schieflage zwischen privater und gesetzlicher Versicherung und die prekäre Lage pflegender Angehöriger. Besonders die unbequeme Forderung nach einem steuerfinanzierten Zuschuss wird klar benannt und nicht hinter vagen Appellen versteckt.
Die Perspektive bleibt jedoch eng auf die sozialversicherungsrechtliche Logik beschränkt. Alternative Finanzierungsmodelle jenseits der Beitrags- und Steuerlogik, etwa eine Bürgerversicherung, werden nicht erwähnt. Die Arbeit privat Pflegender wird vor allem unter dem Aspekt der Erwerbsunterbrechung betrachtet; andere Entlastungsformen wie flächendeckende Tagespflege oder professionelle Unterstützung zuhause bleiben unerwähnt. Zudem handelt es sich um ein Ein-Personen-Interview – eine Einordnung durch Betroffene oder politische Entscheidungsträger:innen fehlt. Die schlechte Haushaltslage wird als quasi naturgegebene Hürde dargestellt, ohne dass die politische Prioritätensetzung hinter den Haushaltsentscheidungen thematisiert wird.
Hörempfehlung: Für alle, die einen kompakten, an den entscheidenden Finanzierungsfragen orientierten Überblick zur Pflegereform suchen, ist die Episode sehr aufschlussreich.
Sprecher:innen
- Nora Schmidt – Geschäftsführerin des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge