Im Apofika-Presseklub sprechen Markus Feldenkirchen und seine Gäste über eine mögliche Verschiebung im Ukraine-Krieg. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die Ukraine mit selbst produzierten Drohnen zunehmend Ziele tief in Russland angreifen und dort die Kriegswirtschaft stören könne. Die Gesprächsrunde fragt, ob sich darin eine militärische Wende ankündige, wie stabil das System Putin noch sei und welche Rolle Europa in dieser Lage spielen solle. Als selbstverständlich gesetzt wird dabei die Prämisse, dass die Ukraine diesen Krieg nicht verlieren dürfe und der Westen zu anhaltender Unterstützung verpflichtet sei. Eine mögliche Perspektive, die diesen Krieg als Stellvertreterkonflikt mit Eskalationsrisiken für Europa betrachtet, wird nicht vertieft.
Zentrale Punkte
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Ukrainische Drohnen als Gamechanger Die Ukraine habe ihre Rüstungsindustrie massiv ausgebaut und könne nun mit hunderten Drohnen gleichzeitig russische Raffinerien und Häfen angreifen, hieß es. Dies setze die russische Kriegswirtschaft unter Druck und verändere das militärische Kräfteverhältnis spürbar.
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Bröckelnder Konsens in Russland In Russland nehme die Kriegsmüdigkeit zu, so die Analyse. Obwohl der Kreml die Söldner immer besser bezahle, würden die Rekrutierungszahlen sinken. Die Inszenierung der abgespeckten Militärparade am 9. Mai deute auf Nervosität hin – aus Angst vor ukrainischen Drohnen.
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Europas zögerliche Strategie Die Debatte um einen europäischen Chefverhandler für Friedensgespräche wirke „wichtigtuerisch", hieß es aus Berlin. Statt über Personen zu sprechen, müsse Europa erst eine inhaltliche Strategie entwickeln. Bislang wirke die EU auf Russland schwach und unentschlossen.
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Erschöpfte, aber nicht gebrochene Gesellschaft Die Mobilisierung in der Ukraine erfolge oft mit brutalen Methoden, was viele Menschen verunsichere. Gleichzeitig hätten die Menschen gelernt, mit dem Krieg zu leben. Aus Kiew wurde von einem neuen Selbstbewusstsein berichtet – aber auch von der ständigen Bedrohung.
Einordnung
Die Stärke der Episode liegt in der Zusammenführung dreier sehr unterschiedlicher Perspektiven: Aus Moskau, aus Kiew und aus dem politischen Berlin. Dadurch entsteht ein differenziertes Bild, das militärische, gesellschaftliche und diplomatische Ebenen miteinander verknüpft. Besonders aufschlussreich ist die Einschätzung, dass der militärische Druck auf Russland zwar wächst, aber noch lange keine Verhandlungsbereitschaft Putins erzwinge. Die Korrespondentin vor Ort relativiert zudem den Begriff der „Geländegewinne" und warnt vor verfälschenden Darstellungen für das deutsche Publikum.
Auffällig ist, dass die Diskussion stark auf technologische und militärische Faktoren fokussiert bleibt. Die Frage, was ein möglicher Waffenstillstand oder Friedensschluss für die Ukraine und die europäische Sicherheitsordnung konkret bedeuten würde, wird zwar gestreift, aber nicht vertieft. Auch bleibt unausgesprochen, dass die Ukraine trotz aller Drohnenerfolge weiterhin existenziell von westlichen Waffenlieferungen abhängt – ein Spannungsfeld, das die Runde nur ankratzt. Die deutsche Debatte um Waffenlieferungen wird rückblickend fast erleichtert als überholtes Problem dargestellt – ohne zu fragen, ob diese Haltung tatsächlich strategisch begründet war oder vor allem innenpolitisch motiviert.
Hörempfehlung: Hörenswert für alle, die eine nüchterne und vielstimmige Einordnung zur aktuellen Kriegsdynamik suchen und verstehen wollen, wie unterschiedlich die Lage in Moskau, Kiew und Berlin bewertet wird.
Sprecher:innen
- Markus Feldenkirchen – Host, Spiegel-Redakteur
- Katja Gloger – Journalistin, langjährige Russland-Korrespondentin (Stern)
- Marina Kormbaki – Stellv. Leiterin Spiegel-Hauptstadtbüro, Sicherheitspolitik
- Rebecca Barth – ARD-Korrespondentin in Kiew