Die Episode behandelt eine Kontroverse, die aus einem journalistischen Text der Politikressortleiterin Sophie-Marie Schulz über ein langes Podcast-Interview des Hosts Ben Berndt mit dem AfD-Politiker Björn Höcke entstand. Als Grundlage des Streits wird nicht der politische Gehalt des Höcke-Gesprächs verhandelt, sondern Schulz‘ Berichterstattung darüber. Die Debatte kreist um Formfragen journalistischer Sorgfalt, das Rollenverständnis von Berndt als Nicht-Journalist und die Frage, ob die etablierte Abgrenzungspraxis gegenüber der AfD – hier verkürzt als „Brandmauer" gefasst – demokratisch sei. Bereits im Vorgespräch stellt die Journalistin kategorisch fest, diese Praxis sei „nicht demokratisch".

Zentrale Punkte

  • Mit allen reden als Prinzip Schulz vertrete die Position, dass man mit jedem sprechen müsse. Sie lehne Zuschreibungen wie „umstritten" ab und bewerte Höcke nicht als jemanden, mit dem ein Gespräch grundsätzlich problematisch wäre, sondern sehe den Akt des Interviewens an sich als legitim und notwendig an.
  • Unterschiedliche Maßstäbe für Formate Da Berndt sich selbst nicht als Journalist sehe und seinen Podcast als Plattform ohne Einordnung oder Widerspruch betrachte, sei es laut Schulz unangemessen, an dieses Gespräch streng journalistische Bewertungsmaßstäbe bezüglich Vorbereitung oder kritischer Nachfragen anzulegen.

Einordnung

Das Gespräch bietet einen Einblick in die Selbstsicht einer Journalistin, die das Ideal der Ausgewogenheit über das der Einordnung stellt und daraus die Pflicht ableitet, auch extremen politischen Akteuren eine Plattform zu bieten. Ihre Argumentation, die „Brandmauer" sei undemokratisch, stellt eine gewichtige These auf, ohne den Begriff oder die demokratietheoretischen Grundlagen dieser Abgrenzungspraxis im Gespräch auch nur zu skizzieren. So bleibt der Kern ihrer eigenen politischen Kritik an dieser Praxis vage.

Kritisch zu sehen ist, dass die Auseinandersetzung fast vollständig auf der Metaebene journalistischer Handwerksfehler wie fehlender Quellennennung verbleibt. Die Frage, ob ein unkritisches, mehrstündiges Interview mit einem Vertreter des rechtsextremen Spektrums eine Normalisierungsstrategie der AfD befördert und welche Verantwortung daraus erwächst, wird nicht systematisch besprochen. Die Diskussion setzt unhinterfragt voraus, dass reichweitenstarkes „Sprechenlassen" per se einen demokratischen Wert darstellt, ohne die Machtwirkung dieser Bühne für die interviewte Person zu problematisieren.

Sprecher:innen

  • Roman Zeller – Host, Weltwoche Daily
  • Sophie-Marie Schulz – Politikressortleiterin, Berliner Zeitung