Michael Nikbakhsh präsentiert in der 16. Folge seiner Serie zum Tod des früheren Sektionschefs Christian Pilnacek neue Erkenntnisse aus der Auswertung dessen Samsung Galaxy Watch 3 – dem einzigen elektronischen Gerät, das Pilnacek in der Nacht des 20. Oktober 2023 bei sich trug.

1. Widersprüchliche Datenlage: LKA vs. WKStA

Das Landeskriminalamt Niederösterreich hatte in seinem Abschlussbericht vom 8. Jänner 2024 festgestellt, dass "die Auswertung der auf der Smartwatch vorhandenen Daten […] keine für das gegenständliche Ermittlungsverfahren relevanten Daten" ergeben habe. Eine im März 2025 erstellte Analyse der IT-Abteilung der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) kommt jedoch zu gegenteiligen Ergebnissen: "entgegen der Feststellungen des Chefinspektors waren auf der Uhr sehr wohl relevante Daten abgelegt und zwar unter anderem und ganz konkret Gesundheitsdaten."

2. Bluetooth-Kontakte in der Todesnacht

Die Smartwatch habe sich zwischen 1:15 und 3:55 Uhr über Bluetooth Low Energy wiederholt mit anderen Geräten in Reichweite verbunden. Dies deute darauf hin, dass "die Uhr in der Nacht des 20. Oktober […] im Empfangsbereich anderer Bluetooth Geräte" gewesen sei – obwohl Pilnacek laut Aktenlage an einem einsamen Donauarm aufgefunden wurde.

3. Datensätze nach dem Tod

Um 4:03 Uhr sei die Uhr zunächst ausgegangen, habe aber am Vormittag des 20. Oktober um 10:10 Uhr wieder Daten aufgezeichnet. Hinzu komme ein auffälliger Datenanstieg am 21. Oktober um 3:21 Uhr mit "deutlichen Ausreißern bei der Bluetooth und Wi-Fi Verwendung", was darauf schließen lasse, dass die Uhr zu diesem Zeitpunkt nicht mehr beim Leichnam lag.

4. Lückenhafte Kette der Beweisführung

Nikbakhsh moniert, dass in den "hunderten Aktenseiten keinen Eintrag [gefunden wurde], wer die Uhr wann vom Handgelenk des Toten genommen hat und was anschließend damit geschehen ist". Die Smartwatch tauche erst sechs Tage nach dem Tod in einem Plastiksackerl bei der Gerichtsmedizin auf, wobei "die Akten erzählen also nicht, was in der Zwischenzeit mit der Uhr geschehen ist".

5. Ungenutzte Spuren

Ein 1200-seitiger Auswertungsbericht des Bundeskriminalamts sei nie in den Ermittlungsakt gelangt. Die WKStA-Experten hätten zudem auf eine verschlüsselte Datenbank mit Gesundheitsdaten verwiesen, die "möglicherweise genauere Schlüsse zulassen könnten", seien aber nicht analysiert worden, da dies "außerhalb der ursprünglichen Fragestellung" liege.

Einordnung

Die Folge demonstriert, wie sorgfältig recherchierter investigativer Journalismus funktioniert: Nikbakhsh arbeitet ausschließlich mit dokumentierten Quellen, lässt seine Rechercheergebnisse durch direkte Zitate sprechen und vermeidet Spekulation. Besonders bemerkenswert ist die nüchterne Art, mit der er systematische Lücken in der Beweiskette aufdeckt – von der unklaren Entfernung der Uhr vom Leichnam bis zur fehlenden Dokumentation der Datenanalyse. Die Darstellung bleibt dabei stets transparent: Wo Daten fehlen, sagt er das; wo Daten vorliegen, präsentiert er sie kontextualisiert. Die Episode verdeutlicht, wie sehr sich eine solche akribische Aufarbeitung von der teils oberflächlichen Berichterstattung in anderen Medien unterscheidet. Wer sich für die methodische Tiefe unabhängiger Recherche interessiert, erhält hier ein Lehrstück in präziser Aufklärungsarbeit – ohne erhitzte Töne, aber mit messerscharfer Analyse.