Die Episode behandelt die geplanten Änderungen am Informationsfreiheitsgesetz (IFG) durch die Regierungsfraktionen CDU und SPD. Das Gespräch wird als Verteidigung eines bedrohten Werkzeugs geführt, wobei Transparenz als unhinterfragt positiver Wert gesetzt wird. Die Annahme, dass mehr Offenheit automatisch zu besserer demokratischer Kontrolle führe, strukturiert die gesamte Diskussion. Der Gast argumentiert, die geplanten Neuregelungen – etwa die Einführung eines „berechtigten Interesses“ – würden die Beweislast umkehren und die Machtverhältnisse zugunsten der Behörden verschieben.
Zentrale Punkte
- Machtverschiebung durch Vorprüfung Die geplante Pflicht, ein „berechtigtes Interesse“ nachzuweisen, drehe das Prinzip der Informationsfreiheit um, da Behörden dann selbst entscheiden könnten, ob ihnen eine Anfrage „zu unbequem“ sei – statt dass sie Ausnahmen von der Herausgabepflicht gut begründen müssten.
- Ausgeweitete Ausnahmegründe als Einfallstor Die neuen Ausschlusskategorien wie der Schutz „kritischer Infrastruktur“ oder der Spionageabwehr seien so dehnbar formuliert, dass künftig „alles und nichts“ darunterfallen könne, was die Bewilligung von Anfragen massiv erschweren und zu mehr Gerichtsverfahren führen würde.
- Kostendeckel-Abschaffung als Zugänglichkeitsbarriere Der geplante Wegfall der bisherigen Kostengrenze von 500 Euro könnte dazu führen, dass Behörden willkürlich hohe Gebühren von mehreren tausend Euro verlangen – eine Entwicklung, die Drepper aus eigener Erfahrung als stark abschreckend für Bürger:innen und Journalist:innen beschreibt.
Einordnung
Die Episode bietet eine detaillierte und aus der Praxis gesättigte Kritik der geplanten IFG-Reform. Daniel Drepper gelingt es, die abstrakten Gesetzesänderungen anhand konkreter Recherchebeispiele wie dem Spahn-Maskendeal oder seinen eigenen Erfahrungen mit überhöhten Gebühren greifbar zu machen. Die Argumentation folgt einer klaren Logik: Jede Einschränkung des Zugangs zu Behördeninformationen schwächt die Kontrollfunktion der Öffentlichkeit.
Allerdings verbleibt die Diskussion auf einer Ebene, die Transparenz als absoluten Wert setzt, ohne die Herausforderungen von Behörden (etwa Bearbeitungsaufwand oder Schutzbedürftigkeit) substanziell einzubeziehen. Die Motive der Reform werden wiederholt als „keine Lust“ oder mangelnde Transparenzbereitschaft gedeutet, während die Differenzierung etwa zwischen tatsächlichem Missbrauch und legitimen Anfragen ausbleibt. Politische und rechtliche Zielkonflikte, die über eine reine Abwehrhaltung hinausgehen, werden nicht exploriert. Die Darstellung der Regierungspläne bleibt durchgehend aus der Perspektive des investigativen Journalismus formuliert, was eine Einordnung in breitere governancetheoretische Zusammenhänge vermissen lässt.
Hörempfehlung: Für alle, die verstehen wollen, wie Journalist:innen mit dem IFG arbeiten und wie sich die geplanten Änderungen konkret auf investigative Recherche auswirken, ist diese Episode eine aufschlussreiche und schnörkellos erklärte Einführung.
Sprecher:innen
- Holger Klein – Moderator des Übermedien-Podcasts „Holger ruft an“
- Daniel Drepper – Vorsitzender von „Netzwerk Recherche“ und investigativer Journalist