Im Berlin Playbook Podcast spricht POLITICO-Moderatorin Rixa Fürsen mit dem Sicherheitsexperten Nico Lange über die militärische Lage in der Ukraine nach der russischen Frühjahrsoffensive 2026. Im Zentrum stehen die Raketenangriffe auf zivile Ziele und die Frage, ob Europa die Ukraine ausreichend schützen könne. Die Diskussion ist von der Annahme geprägt, dass nur militärischer Druck Russland zu Verhandlungen bewegen könne. Lange argumentiere, dass die Angriffe auf Zivilisten militärisch nichts brächten, aber auf Zermürbung und die Beeinflussung westlicher Debatten zielten. Er kritisiere die europäische Luftverteidigung als unzureichend und fordere, die Ukraine müsse russische Raketenproduktionsstätten aktiv angreifen können.

Zentrale Punkte

  • Raketenangriffe als Zermürbungsstrategie Putin erreiche mit Angriffen auf zivile Ziele militärisch nichts, sondern wolle Städte unbewohnbar machen. Die Bilder von Zerstörung sollten den Westen demoralisieren und die Debatte über Unterstützung beeinflussen.
  • Europas Luftverteidigung unzureichend Lange kritisiere Europas Luftverteidigung als unzureichend und von US-Systemen abhängig. Trotz hoher Ausgaben fehle es an Abfangraketen. Er fordere, russische Raketenfabriken und Lieferketten aktiv anzugreifen statt nur passiv abzuwehren.
  • Diplomatie nur durch militärischen Druck Verhandlungen seien nur möglich, wenn das Risiko für Putins Regime steige. Dafür müsse die Ukraine Waffen erhalten, die Russlands System unter Druck setzten. Das Tauziehen um den Taurus sei ein Beispiel für die selbstbeschränkte Handlungsfähigkeit des Westens.

Einordnung

Die Episode liefert eine klare Analyse der militärischen Lage und benennt konkrete Defizite wie den Mangel an Patriot-Abfangraketen. Lange argumentiert aus langjähriger Expertise und zeigt strukturelle Probleme der europäischen Verteidigung auf. Die Moderatorin lässt ihm dafür viel Raum.

Gleichzeitig ist die Diskussion stark normativ aufgeladen. Die moralische Dringlichkeit ersetzt an einigen Stellen die Analyse: Begriffe wie „gewinnen" werden nicht definiert, Eskalationsrisiken einer offensiveren Strategie bleiben unerwähnt. Das Zitat „er mordet Familien im Schlaf" zeigt, wie stark die Argumentation auf emotionale Appelle setzt. Kritische Perspektiven auf die eigene Strategie kommen nicht vor.

Hörempfehlung: Für alle, die eine pointierte sicherheitspolitische Einschätzung zur Lage in der Ukraine suchen, bietet die Episode eine klare Positionsbestimmung.

Sprecher:innen

  • Rixa Fürsen – POLITICO-Moderatorin, Berlin Playbook Podcast
  • Nico Lange – Sicherheitsexperte, Gründer des Instituts für Risikoanalysen und internationale Sicherheit (Iris)