Der OMR Podcast widmet sich dem bevorstehenden SpaceX-Börsengang, der für Juni 2026 erwartet wird. Mit den Finanzexperten Philipp „Pip“ Klöckner und Noah Leidinger wird die Frage verhandelt, wie die astronomische Bewertung von 1,8 Billionen Dollar zustande gekommen sei und was dahinterstecke. Die Diskussion setzt dabei stillschweigend voraus, dass es sich hier in erster Linie um ein strategisches Finanzmanöver handle, bei dem wirtschaftliche Notwendigkeiten und geschickte Inszenierung eine größere Rolle spielten als technologische Substanz. Das Gespräch kreist weniger um eine Bewertung des Unternehmens an sich, sondern darum, wie Elon Musk verschiedene Unternehmenseinheiten und Narrative nutze, um massiven Kapitalbedarf zu decken und Verluste auszugleichen.

Zentrale Punkte

  • Bewertung ohne Fundament Die 1,8-Billionen-Bewertung sei nach keinen klassischen betriebswirtschaftlichen Maßstäben zu rechtfertigen. SpaceX mache bei rund 19 Milliarden Dollar Umsatz 5 Milliarden Verlust und wachse mit etwa 15 % relativ langsam. Ein Investment lohne sich fundamental nur, wenn man an extrem weit in der Zukunft liegende Visionen wie Rechenzentren im Weltall glaube.
  • KI-Sparte xAI als Sanierungsfall Der eigentliche Grund für den Börsengang sei, dass die KI-Sparte xAI aufgrund hoher Verluste und geringer Marktakzeptanz nicht mehr eigenständig finanzierbar gewesen wäre. Durch die Verschmelzung mit dem zuvor profitableren SpaceX seien die schlechten Zahlen verdeckt und über die neue, große Bewertung dringend benötigtes Kapital für den Bau von Rechenzentren beschafft worden.
  • Geplante Marktmechanismen Um den Börsengang abzusichern, seien bewusst Maßnahmen getroffen worden, die den Kurs stützen sollen. Nur knapp 5 % der Aktien würden gestreut, was bei erwartbar hoher Nachfrage von Privatanlegern das Angebot künstlich verknappe. Zudem habe die Nasdaq eigens ihre Regularien geändert, damit SpaceX sofort in deren Index aufgenommen werde, was zu automatischen Käufen durch ETFs führe.
  • Profiteure aus der zweiten Reihe Vom Börsengang profitierten vor allem langjährige Frühinvestoren. Der Global Founders Fund des Rocket-Internet-Gründers Oliver Samwer könne aus einer frühen 300-Millionen-Investition einen Erlös erzielen, der den gesamten operativen Gewinn der Firma übertreffe. Auch Google halte 7 % an SpaceX und erhalte durch den Börsengang einen hohen Buchgewinn.

Einordnung

Die Episode überzeugt durch ihre detaillierte Dekonstruktion des Finanzkonstrukts hinter dem IPO. Klöckner und Leidinger nehmen die präsentierten Narrative auseinander, stellen Bewertung und reale Geschäftszahlen gegenüber und erklären nachvollziehbar, wie die Rettung einer verlustreichen KI-Sparte als Vision verkauft wird. Besonders hilfreich ist der Blick auf die ‚Profiteure‘, der die Mechanismen hinter solchen Börsengängen greifbar macht. Die Argumentation arbeitet mit öffentlich zugänglichen Zahlen und benennt im zweiten Schritt sogar konkrete Alternativen, etwa Zulieferer wie Siltronic oder ASML, für diejenigen, die trotz Skepsis an bestimmte Zukunftsgeschichten glauben.

Kritisch bleibt anzumerken, dass die Analyse fast ausschließlich innerhalb der kapitalmarktlogischen Prämissen verweilt, die sie selbst kritisiert. Dass eine Bewertung von 1,8 Billionen Dollar für ein defizitäres Unternehmen auf reiner Spekulation beruht, wird als Phänomen des ‚kapitalistischen Nihilismus‘ benannt, aber nicht in seinen gesellschaftlichen oder politischen Folgen eingeordnet. So bleibt unhinterfragt, warum private Unternehmen überhaupt Steuergelder aus milliardenschweren Staatsaufträgen (NASA, Verteidigung) privatisieren und zur Spekulationsmasse umwidmen können. Die politischen Implikationen, etwa wenn US-Beamte als Shareholder von SpaceX vom Börsengang profitieren, werden zwar erwähnt, aber nicht vertieft. Die Übernahme von Begriffen aus dem rechten Spektrum oder problematische Züge der Person Elon Musk spielen im Gespräch keine Rolle – eine für das Format nachvollziehbare, aber folgenreiche Auslassung. Das Zitat von der Reporterin, die den Vorgang die „Endstufe des kapitalistischen Nihilismus“ nenne, bringt die zugrunde liegende Problematik jedoch prägnant auf den Punkt.

Hörempfehlung: Hörenswert für alle, die verstehen wollen, wie ein moderner Börsengang fernab fundamentaler Daten inszeniert und durch regulatorische Anpassungen sowie eine aktivierte Fanbasis abgesichert wird.

Sprecher:innen

  • Philipp Westermeyer – Moderator und OMR-Gründer
  • Philipp „Pip“ Klöckner – Finanzexperte und Podcast-Host (Doppelgänger)
  • Noah Leidinger – Finanzexperte und Podcast-Host (Ohne Aktien wird schwer)