Der Newsletter aus dem Medium-Projekt "Generative AI in the Newsroom" widmet sich der Frage, wie Nachrichtenredaktionen KI-Projekte budgetieren sollten. Der zentrale Befund lautet, dass die Technologiekosten für den KI-Betrieb oft überschätzt werden, während Personalkosten den Schwerpunkt bilden. Dies belegen Aussagen von Datenjournalist:innen, die ihre API-Kosten durch Modelloptimierung auf teils unter zwei US-Dollar drücken konnten. Im Kern stützt sich der Text auf eine Analyse von Tshepo Tshabalala (LSE), der über 30 KI-Projekte auswertete. Er schlussfolgert, dass 65 Prozent der Budgets in menschliche Arbeit fließen. Seine These lautet pointiert: "The biggest investment is people, not processors". Um die teuren Gehälter für Entwickler:innen abzufedern, rät er Medienhäusern, zunächst auf externe Berater:innen zurückzugreifen. Das Beispiel der Organisation CalMatters untermauert dies, da dortige Fachkräfte sehr hohe Gehälter beziehen. Gleichzeitig argumentiert der Autor, dass KI massive manuelle Arbeitskosten einsparen könne. Dies illustriert eine Reuters-Recherche, bei der das KI-Modell Gemini genutzt wurde, um 28.000 Seiten handschriftlicher Dokumente zu strukturieren. Die Journalistin Disha Raychaudhuri beziffert die Kosten auf knapp 2.000 US-Dollar. Zum Vergleich ein früheres Projekt: "We hired a data entry company to get that out of those documents. That cost was close to $40,000." ## Einordnung Der Text besticht durch eine nüchterne, managementorientierte Perspektive auf den KI-Hype und fokussiert sich auf betriebswirtschaftliche Realitäten. Es dominieren Stimmen aus etablierten oder gut finanzierten Projekten. Die Realität kleiner Redaktionen ohne Zugang zu Fördergeldern bleibt ausgeblendet. Die Grundannahme ist stark vom Effizienzdenken geprägt: KI wird primär als Hebel zur Kostensenkung und Produktivitätssteigerung gerahmt. Kritisch anzumerken ist, dass die Abhängigkeit des Journalismus von proprietären Modellen der Tech-Konzerne nicht hinterfragt wird. Dennoch ist der Text gesellschaftlich relevant, da er die finanziellen Mechaniken der Nachrichtenproduktion offenlegt. Der Newsletter ist sehr lesenswert für Medienmanager:innen und Projektleiter:innen, die konkrete Zahlen für KI-Implementierungen suchen.