Tech Won't Save Us: The Long History of the US War on Iran w/ Spencer Ackerman
Analyse des US-israelischen Krieges gegen den Iran 2026, historische Hintergründe und die Rolle von Tech-Infrastruktur als Kriegsziel.
Tech Won't Save Us
59 min read4002 min audioIn der Episode von „Tech Won't Save Us“ analysieren Paris Marx und Journalist Spencer Ackerman den 2026 eskalierten Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Das Gespräch dekonstruiert westliche Narrative, die den Konflikt erst 1979 beginnen lassen, als imperiale Rechtfertigungsstrategie. Stattdessen wird der US-Putsch von 1953 als historischer Ursprung gesetzt und der aktuelle Konflikt unmissverständlich als völkerrechtswidriger Aggressionskrieg gerahmt.
Auffällig ist die materialistische Betrachtung der Kriegsführung: Die Asymmetrie zwischen günstigen iranischen Drohnen und teuren westlichen Abfangraketen diene als Gradmesser für strategische Überlegenheit. Zudem wird die Verwundbarkeit der neuen ökonomischen Prämisse diskutiert, dass Rechenleistung das neue Öl sei, da iranische Angriffe gezielt die physische Tech-Infrastruktur am Persischen Golf ins Visier nähmen. Der Diskurs verknüpft dabei militärische Logiken untrennbar mit globalen wirtschaftlichen Abhängigkeiten.
### Zentrale Punkte
* **Historische Schuldzuweisung**
Ackerman argumentiere, dass der aktuelle Konflikt ein illegaler Angriffskrieg sei, dessen ideologisches Fundament durch westliche Interventionen und Ressourceninteressen seit 1953 gelegt worden sei.
* **Asymmetrische Kriegsführung**
Der Iran nutze absichtlich kostengünstige Drohnen, um die USA und Israel zum Einsatz millionenschwerer Abfangraketen zu zwingen, was die feindlichen Magazine finanziell und logistisch erschöpfen solle.
* **Infrastruktur als Kriegsziel**
Durch Angriffe auf Seehäfen, Entsalzungsanlagen und Rechenzentren im Golf attackiere der Iran gezielt die physische und technologische Basis des globalen Wirtschaftssystems und der neuen KI-Industrie.
* **Verlust der strategischen Kontrolle**
Entgegen westlicher Erfolgsmeldungen hätten die USA und Israel die strategische Initiative eingebüßt, da der Iran unter anderem über die Schließung der Straße von Hormus den Konfliktverlauf diktiere.
### Einordnung
Die Episode besticht durch eine historisch fundierte Analyse, die hegemoniale US-Sicherheitsnarrative konsequent dekonstruiert. Die materielle Realität moderner Kriegsführung wird anhand von Kosten-Nutzen-Asymmetrien präzise greifbar gemacht. Besonders stark ist die Entzauberung des Tech-Diskurses: Die unausgesprochene Abhängigkeit der globalen KI-Industrie von physischer Infrastruktur in Kriegsgebieten wird schonungslos offengelegt. Kritisch fällt auf, dass das Gespräch stark auf makrostrategische Elitendiskurse verengt bleibt. Die zivile Perspektive der iranischen Bevölkerung ordnet sich der geopolitischen Analyse komplett unter. Rhetorisch positioniert sich Ackerman deutlich gegen das US-Sicherheitsestablishment, was sich zeigt, wenn er US-Forderungen nach einer Kriegsausweitung als strategische Ausrede rahmt – diese diene lediglich als „cope“, um das Scheitern in der Region psychologisch abzuwehren.
**Hörempfehlung**: Eine absolute Empfehlung für alle, die US-Außenpolitik jenseits patriotischer Narrative verstehen wollen und sich für die geopolitischen Verwundbarkeiten der globalen Tech-Industrie interessieren.
### Sprecher:innen
* **Paris Marx** – Tech-Kritiker:in und Host des Podcasts „Tech Won't Save Us“
* **Spencer Ackerman** – Journalist, Autor und Experte für US-Sicherheitspolitik