Im Podcast „{ungeskriptet}“ spricht der Moderator Ben mit dem Journalisten und Buchautor Ulf Poschardt über Medien, Kultur, Architektur und gesellschaftliche Konflikte.
1. Abrechnung mit dem Journalismus und den „Lockdown-Faschos“
Ulf Poschardt übt scharfe Kritik an seiner eigenen Zunft und wirft Medienvertreter:innen Überheblichkeit vor. Zudem bezeichnet er die Befürworter:innen von Corona-Maßnahmen als extrem aggressiv: „Die Corona Lockdown Faschos, das waren die bösartigsten Menschen, die ich jemals erlebt habe, deren Hass, wenn du das Regime in Frage stellst, das war ohne Worte.“ Des Weiteren gäbe es eine neue Generation, die etablierte Medien auf Plattformen wie TikTok „komplett vermöbeln“ würde.
2. Das Ende des linken Kulturmonopols
Der Gast argumentiert, dass das politisch-kulturelle Milieu, das er in seinen Büchern kritisiert, jahrzehntelang Institutionen dominiert habe und nun erstmals eine kulturelle Rezession erlebe. Er beschreibt den Kulturkampf als ein Schlachtfeld: „Du hast 70 Jahre Kulturkampf gemacht und jetzt kriegst du zum ersten Mal auf die Mütze und dann sagst du Schluss.“ Die Forderung nach einem Ende des Kulturkampfs käme nur deshalb, weil die bisherige Hegemonie ins Bröckeln gerate.
3. Filterblasen und mangelnde Diskursbereitschaft
Poschardt beklagt ein generelles Desinteresse am Austausch mit andersdenkenden Menschen und kritisiert Plattformen wie Bluesky als Echokammern, in denen Andersdenkende massenhaft blockiert würden. Dazu gäbe es laut Umfragen kaum ein Milieu, das so isoliert lebe wie die Anhängerschaft der Grünen und der AfD: „Es gibt kein Milieu, das so sehr praktisch ausschließlich in ihrer eigenen Soße lebt, wie bei den Grünen und direkt dahinter die AfD.“
4. Schönheit als gesellschaftlicher Kompass und Kritik an der Moderne
Neben politischen Themen betont Poschardt seine Suche nach Ästhetik und Freiheit als Lebensmaxime. Die anonyme Nachkriegsarchitektur in Städten wie Köln lehnt er ab, weil ihr der kulturelle Impakt fehle: „Wenn Wohnen und Zusammenleben und öffentlicher Raum nur Funktion ist, dann merke ich so, dass mich das immer so ein bisschen... ich kann mich damit nicht anfreunden, das lässt mich irgendwie so kalt.“ Gesellschaft müsse im Sinne von Joseph Beuys als „soziale Plastik“ verstanden und gestaltet werden.
Einordnung
Das Format präsentiert sich als ungeschnittenes, authentisches Langformat, das einen Gegenentwurf zu klassischen, redaktionell gegliederten Talkshows darstellen will. Die Gesprächsatmosphäre ist durch eine hohe Vertrautheit zwischen Moderator und Gast geprägt, wobei kaum kritische Gegenfragen gestellt werden. Stattdessen fungiert der Moderator oft als Stichwortgeber, der dem Gast eine Bühne für zugespitzte Thesen und Polemiken bietet.
Die Argumentationsstruktur stützt sich stark auf Generalisierungen, martialische Metaphern wie den „Kulturkampf als Schlachtfeld“ und polarisierende Feindbilder. Der Gast bedient sich dabei gezielt herabsetzender Kampfbegriffe, während komplexe gesellschaftliche Diskurse auf ein binäres Schema von vermeintlicher Meinungsfreiheit versus links-grüne Blasenbildung reduziert werden. Machtstrukturen werden rhetorisch umgekehrt: Der etablierte Leitmedien-Journalist stilisiert sich und konservative Positionen zur bedrohten Gegenkultur, während progressive Kräfte pauschal als intolerante Hegemonialmacht framed werden.
Visuell untermauert das Studio mit gedimmtem Licht und dezenter Inszenierung den Anspruch eines ungeschönten, intimen Underground-Formats. Insgesamt handelt es sich um eine reine Unterhaltungs- und Meinungsshow mit stark agitatorischem Einschlag, die weniger auf diskursiven Erkenntnisgewinn als auf die Bestätigung und Radikalisierung eines libertär-konservativen Publikums abzielt. Sehwarnung für Zuschauer:innen, die eine differenzierte, journalistisch ausgewogene Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konflikten erwarten.