Die Episode berichtet von der Digitalkonferenz re:publica 2026, die unter dem Motto "Never gonna give you up" steht – einem Bekenntnis, das Internet nicht aufzugeben, aber auch einem Ausdruck von Verzweiflung über seine heutige Verfasstheit. Host Meike Laaff schildert ihre Eindrücke von den Bühnen, wo vor allem US-amerikanische und kanadische Stimmen einen Ton des Aufbruchs setzten. Die Debatte verschiebt sich von der Diagnose des Problems – der Machtkonzentration bei wenigen Tech-Konzernen – hin zur Frage, wie man das "Ruder herumreißen" könne. Als zentrale Strategien erscheinen kollektiver Widerstand, die Stärkung europäischer Alternativen und eine Neuordnung des Wettbewerbs, wobei genau an diesem "Wie" die größte Uneinigkeit herrsche.
Zentrale Punkte
- Hoffnung durch kollektiven Widerstand Die Journalistin Karen Hao sehe angesichts globaler Proteste gegen KI-Imperien Grund zur Hoffnung. Firmen wie OpenAI verfolgten einen unnötig ressourcenhungrigen Ansatz, doch lokaler Widerstand gegen Rechenzentren zeige, dass Mobilisierung wirke – Imperien fielen, wenn Menschen sich erhöben.
- Der Bruch als Chance für ein besseres Internet Cory Doctorow deute die von Trump mitverursachte Erschütterung der alten Weltordnung als Chance. Der Moment des Bruchs ("Rupture") sei überfällig und könne genutzt werden, um ein "Enshittification- resistentes" Internet aufzubauen – vorausgesetzt, es bilde sich eine organisierte Bewegung dafür.
- Streit um den richtigen Weg zur digitalen Souveränität In einer Diskussion mit Sascha Lobo, Markus Beckedahl und Katharina Nocun zeige sich ein grundlegender Konflikt: Während Lobo weniger Regulierung für den Aufbau europäischer Big-Tech-Champions fordere, sehen Beckedahl und Nocun erst die Notwendigkeit strenger Regeln, um Wettbewerb gegen US-Konzerne überhaupt zu ermöglichen.
Einordnung
Die Episode liefert einen wertvollen Einblick in die diskursive Lage einer prägenden Digitalkonferenz und vollzieht eine interessante Schwerpunktverschiebung nach: Statt nur die Schäden zu beklagen, werden konkrete Widerstands- und Alternativentwürfe hörbar gemacht. Die Auswahl der Vortragenden bildet einen breiten internationalen Diskurs ab und macht die Zerrissenheit zwischen radikalem Protest und industriepolitischer Neuaufstellung sichtbar. Besonders die Wiedergabe der Debatte zwischen Lobo, Beckedahl und Nocun zeigt, wie verhärtet die Fronten selbst bei geteiltem Ziel sind.
Kritisch bleibt anzumerken, dass die vorgestellten Lösungen stark auf Appelle an politisches Engagement und Koalitionsbildung setzen, ohne zu thematisieren, warum diese Mobilisierung angesichts der ökonomischen Macht der Konzerne bisher scheiterte. Die Rahmung bleibt auf eine marktwirtschaftliche Logik beschränkt, in der es entweder um "kaputte" oder "funktionierende" Märkte geht. Alternative Ansätze jenseits des Wettbewerbsgedankens, wie die von Markus Beckedahl geforderte öffentliche digitale Infrastruktur, werden zwar erwähnt, aber nicht vertieft. Zudem werden Strategien der De-Plattformierung oder des radikalen digitalen Minimalismus, die außerhalb des Konferenz-Mainstreams liegen, nicht gestreift. Ein Satz aus der Eröffnung wird zitiert, um den Fokus der Veranstaltung zu zeigen: "Wir wollen die Kontrolle über die Maschinen behalten", so Andreas Gebhard – ein Bekenntnis, das die Autonomie des Menschen gegenüber der Technik als leitende Prämisse setzt.
Hörempfehlung: Für alle, die verstehen wollen, wie sich die Debatte um ein "gutes Internet" im Jahr 2026 verschiebt und welche Konzepte von den USA bis Europa diskutiert werden, bietet die Folge eine klugen, aber zugänglichen Querschnitt.
Sprecher:innen
- Meike Laaff – Host, Redakteurin im Digitalressort der ZEIT
- Henrik Oerding – Host, Redakteur im Digitalressort der ZEIT