Der Newsletter argumentiert, dass der von Trump angezettelte Iran-Krieg faktisch verloren ist. Nach der Forderung nach bedingungsloser Kapitulation und dem Versuch, ein neues Regime zu installieren, schleiche sich die USA nun gedemütigt davon. Übrig bleibe ein gestärktes iranisches Regime und ein ramponierter Ruf Amerikas.

Vier zentrale Fehler führten zur Niederlage: Erstens sei der Krieg grundsätzlich nicht zu gewinnen gewesen, weil sich mobile Raketen- und Drohnenstellungen aus der Luft kaum ausschalten ließen – ein historisches Muster, das die Alliierten im Zweiten Weltkrieg ebenso erfuhren wie die Koalition im ersten Golfkrieg. Zweitens habe das US-Militär nach Jahrzehnten der Dominanz seinen Vorsprung verloren und auf technologische Veränderungen, vor allem Drohnen, nur selbstgefällig reagiert. Drittens habe Trumps Verteidigungsminister Pete Hegseth einen beispiellosen Säuberungsfeldzug gegen schwarze und weibliche Offiziere betrieben und das Militär mit politischen Jasagern durchsetzt, die das Weiße Haus nur noch mit geschönten Lagebildern versorgten. Viertens schließlich verachte die MAGA-Bewegung jedes strategische Denken; Hegseths Auftritt in West Point, bei dem er „fit, not fat“ und den Kampf gegen Pronomen pries, stehe sinnbildlich für eine Ideologie, die mit Bizeps gegen Drohnen antreten will.

„Once the initial decapitation strike against Iran's leadership left the regime's hold on power intact, Operation Epic Fury became an attempt to end Iran's threat ... by suppressing its missiles and drones with air power. Unfortunately, ... such campaigns have never worked.“ Der Autor plädiert daher dafür, den schlechten Deal jetzt zu akzeptieren, anstatt in einen noch langwierigeren Abnutzungskrieg zu schlittern, der die USA angesichts knapper Waffen, schwindender Ölreserven und verlorener Verbündeter weiter schwächen würde.

Einordnung

Der Text ist eine pointierte Abrechnung mit der Trump-Administration und dem militärischen Selbstverständnis der USA – geschrieben aus der Perspektive eines liberalen Ökonomen, der normalerweise kein prinzipieller Kriegsgegner ist. Auffällig ist, dass die iranische Innenpolitik und die geostrategische Rolle Chinas oder Russlands komplett ausgeblendet bleiben; die Analyse konzentriert sich fast ausschließlich auf amerikanische Fehlleistungen. Dadurch entsteht der Eindruck, die Niederlage sei allein hausgemacht, während der strategische Gewinn Irans kaum eingeordnet wird. Zudem wird die Frage, ob eine diplomatische Lösung nicht doch gewisse Vorteile bringen könnte, nicht ernsthaft geprüft – der Rahmen bleibt der einer unumkehrbaren Schlappe. Trotz dieser Leerstellen ist der Newsletter lesenswert für alle, die verstehen wollen, wie Hybris, politische Säuberungen und antiintellektuelle Militärkultur eine Supermacht an den Rand einer Blamage bringen können. Eine wirtschaftspolitische Vertiefung, wie sie der Titel verspricht, fehlt jedoch völlig.