Ein UFC-Kämpfer nannte Michelle Obama öffentlich einen Mann – Trump lächelte. Noah Berlatsky nimmt diesen Vorfall zum Anlass, die tief verwurzelte Verbindung von Transfeindlichkeit und Rassismus offenzulegen. Schon 2014 verbreiteten Rechte und Alex Jones das Gerücht, die Ex-First-Lady sei trans. Die Attacke knüpft an eine Geschichte an, in der Schwarze Frauen systematisch ent-weiblicht wurden, um ihnen Rechte und Schutz zu verweigern – von der Sklaverei bis zu heutigen Polizeikontrollen. Berlatsky zitiert Sojourner Truth („And ain’t I a woman?“) und die Läuferin Caster Semenya, deren Weiblichkeit trotz natürlicher Testosteronwerte in Frage gestellt wird. Er argumentiert, dass transfeindliche Angriffe im Sport unmittelbar Schwarze und nicht-weiße Frauen treffen, etwa die Boxerinnen Imane Khelif und Lin Yu-Tang. Die Panik, der sich selbst Spitzen-Demokrat:innen wie Gavin Newsom angeschlossen haben, gefährde die gesamte progressive Koalition: „Wenn wir Faschisten erlauben, eine Gruppe zu holen, stehen sie irgendwann vor unserer eigenen Tür.“ Faschist:innen beanspruchten die Macht, Identitäten zu definieren und zu entmenschlichen. Wer trans Personen preisgebe, opfere letztlich auch Schwarze Frauen und Demokrat:innen – wie der Fall des texanischen Kandidaten James Talarico zeige, dem eine Trans-Identität angedichtet wird. Berlatsky fordert entschlossene Gegenwehr für alle Marginalisierten, nicht den taktischen Rückzug.
Einordnung
Der Newsletter schreibt aus einer progressiven, intersektionalen Perspektive und verknüpft historische Unterdrückung mit aktueller rechter Mobilisierung. Die Argumentation ist leidenschaftlich, blendet jedoch aus, dass die Sorge um Fairness im Frauensport nicht nur auf Bigotterie beruht – eine verkürzte Gegenrede könnte Zweifler:innen abschrecken. Die Faschismus-Analogie ist wirkmächtig, vereinfacht aber teils komplexe politische Dynamiken. Die Agenda zielt darauf, die demokratische Basis zu einen und trans Rechte unverhandelbar zu machen – ein moralisch konsequenter, in Wahlkämpfen aber riskanter Standpunkt. Lesenswert ist der Text für alle, die die Verwobenheit von Rassismus und Transfeindlichkeit verstehen möchten. Zur kritischen Prüfung regt er an, ob die Debatte um Sportkategorien wirklich nur aus Hass besteht.