In dieser journalistisch geprägten Episode des NDR-Podcasts *Streitkräfte und Strategien* erörtern die Moderatoren Kai Küstner und Stefan Niemann die zunehmende Verflechtung der Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine. Im Zentrum steht ein ausführliches Interview mit dem Militärhistoriker und Offizier Markus Reisner. Die Diskussion verhandelt geopolitische Konflikte primär durch das Prisma militärischer Machbarkeit und ökonomischer Konsequenzen. Dabei werden globale Ölpreise, die Weltwirtschaft und die Offenhaltung westlicher Handelsrouten als selbstverständliche, treibende Kräfte für politische und militärische Entscheidungen vorausgesetzt. Ein weiterer Schwerpunkt der Sendung ist der diplomatische Kurs der Ukraine in den Golfstaaten sowie die Kontroverse um herablassende Äußerungen des Rheinmetall-Chefs über ukrainische Drohnenproduzent:innen, welche von den Gesprächspartnern als strategischer wie empathischer Ausfall eingeordnet werden. ### Zentrale Punkte * **US-Strategie im Iran** Reisner analysiere, dass die USA im Iran nach einer gesichtswahrenden Lösung suchten, wobei ein umfassender Bodentruppen-Einsatz immense logistische und militärische Risiken berge. * **Geopolitische Profiteure** Es wird dargelegt, dass Russland und China von der Eskalation im Nahen Osten durch steigende Ölpreise und die strategische Ablenkung der USA massiv profitierten. * **Drohnen-Know-how als Handelsware** Küstner und Niemann beschreiben, wie die Ukraine ihr in einem blutigen Abnutzungskrieg erworbenes Wissen über Drohnenabwehr diplomatisch in den Golfstaaten als Tauschmittel einsetze. * **Taktisches Patt in der Ukraine** Der Krieg in der Ukraine befinde sich laut Reisner in einer verfahrenen Situation, in der der allgegenwärtige Drohneneinsatz jegliche traditionelle Offensive extrem verlustreich mache. ### Einordnung Die Episode zeichnet sich durch eine detailreiche, unaufgeregte und hochkomplexe sicherheitspolitische Analyse aus. Ihre großen Stärken liegen in der klaren Herausarbeitung der strategischen Interdependenzen zwischen Nahost, den USA und Europa. Auffällig ist jedoch die Verengung des Diskurses auf militärisch-ökonomische Hegemoniallogiken: Konflikte werden unhinterfragt entlang von Variablen wie "Spritpreisen", "Ernährungssicherheit" und "Budgethaushalten" verhandelt. Das zivile menschliche Leid ordnet sich dieser strategischen Metrik meist beiläufig unter. Zudem zeigt sich eine drastisch-technokratische Rhetorik, die die Brutalität des Krieges sprachlich normalisiert. Dies wird deutlich, wenn Reisner die militärische Taktik der Ukraine skizziert, „faktisch auch durch den Einsatz von vielen unbemannten Systemen bis zu 50.000 russische Soldaten zu töten, um diesen Kreislauf zu durchbrechen“. Die ethische Dimension solcher industriellen Abnutzungsstrategien bleibt im Konsens der militärischen Machbarkeitslogik unausgesprochen. **Hörempfehlung**: Empfehlenswert für Hörer:innen, die an nüchternen, realpolitischen Militäranalysen und den weitreichenden geopolitischen Wechselwirkungen aktueller globaler Konflikte interessiert sind. ### Sprecher:innen * **Stefan Niemann** – Moderator, ARD-Korrespondent * **Kai Küstner** – Moderator, ARD-Korrespondent * **Dr. Markus Reisner** – Militärhistoriker, Offizier des österreichischen Bundesheeres