# ICE erhält Zugriff auf landesweites KI-gestütztes Kameranetzwerk Im 404 Media Podcast diskutieren die Journalist:innen Jason Koebler, Joseph Cox, Sam Cole und Emmanuel Mayberg über das automatische Kennzeichenlesegerät "Flock" und dessen neue Funktionen. Die Episode konzentriert sich auf zwei Recherchen: wie US-Einwanderungsbehörden Zugriff auf das Überwachungsnetzwerk erhalten und wie Flock ein neues Tool namens "Nova" entwickelt, das Kennzeichendaten mit gehackten persönlichen Informationen verknüpft. ### 1. ICE erhält inoffiziellen Zugang zum landesweiten Flock-Kameranetzwerk ICE und andere Bundesbehörden würden ohne formellen Vertrag über lokale Polizeibehörden auf das Flock-Netzwerk zugreifen. Jason Koebler erklärt: "Was hier passiert, ist, dass lokale Polizei diese Suchen für ICE und/oder das Department of Homeland Security durchführt." Dies geschehe teilweise durch formelle Anfragen, teilweise durch "informelle" Bitten, die als Gefallen behandelt würden. ### 2. Flock-Kameras bilden ein massives, vernetztes Überwachungssystem Das Flock-Netzwerk sei zu einem landesweiten Überwachungssystem geworden, das jedes vorbeifahrende Auto erfasse. Jason betont: "Es ist wie eine Google-Suchmaschine für Autos." Teilnehmende Polizeibehörden könnten nicht nur ihre eigenen Kameras abfragen, sondern auch jene in anderen Städten und Bundesstaaten - ohne dass hierfür Durchsuchungsbefehle nötig seien. ### 3. Nova soll persönliche Daten aus Datenlecks mit Kennzeichendaten verknüpfen Flock entwickle ein Add-on namens "Nova", das Kennzeichendaten mit persönlichen Informationen verknüpfen solle. Joseph erklärt: "Nova ist dieses neue Produkt, das [...] Informationen zu diesen Suchen hinzufügen wird." Das Tool plane, gehackte Daten aus dem ParkMobile-Datenleck von 2021 zu nutzen, das E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Postadressen enthalte. ### 4. Bedenken innerhalb von Flock bezüglich der ethischen Implikationen Mitarbeiter:innen von Flock hätten Bedenken bezüglich der ethischen Implikationen von Nova geäußert. In geleakten Slack-Nachrichten würden Mitarbeiter:innen fragen: "Wenn Flock gehackt würde, wäre es dann in Ordnung, wenn ein anderes Unternehmen unsere Daten nutzen würde?" ## Einordnung Die Recherche von 404 Media legt ein besorgniserrendes Überwachungssystem offen, das weitgehend ohne öffentliche Kontrolle und rechtliche Grenzen operiert. Besonders problematisch ist die Umgehung rechtlicher Einschränkungen: Während ICE ohne direkten Zugang zu Flock agiert, nutzt die Behörde lokale Polizei als Stellvertreter. Diese informelle Praxis entzieht sich jeglicher Aufsicht und unterläuft staatliche Schutzmaßnahmen wie das Sanctuary-State-Gesetz in Illinois. Der Podcast zeigt eine gefährliche Entwicklung auf: Von der Überwachung von Fahrzeugen zur gezielten Personenüberfolgung mit Hilfe gehackter Daten. Diese Form der Zusammenführung verschiedener Datenquellen - ohne rechtliche Grundlage und unter Verwendung illegal erlangter Informationen - stellt einen massiven Eingriff in die Privatsphäre dar. Auffällig ist der Framing-Widerspruch: Während Flock in der Öffentlichkeit mit Verbrechensbekämpfung wirbt, werden intern weitreichendere Überwachungsziele verfolgt. Die Journalist:innen leisten wichtige Aufklärungsarbeit, indem sie aufzeigen, wie kommerzielle Überwachungstechnologie ohne angemessene demokratische Kontrolle operiert. Dies wirft grundlegende Fragen zur Verhältnismäßigkeit solcher Systeme und zur Notwendigkeit strengerer Regulierung auf. Hörempfehlung: Ein wichtiger Podcast für alle, die verstehen möchten, wie kommerzielle Überwachungstechnologie ohne angemessene rechtliche Grenzen operiert und wie Behörden rechtliche Einschränkungen durch informelle Praktiken umgehen.