In dieser Ausgabe von COMPACT-TV diskutieren Paul Klemm und Dr. Stephanie Elsässer über den bevorstehenden AfD-Bundesparteitag in Erfurt und die Mobilisierung eines linken Bündnisses dagegen. Das Video positioniert die Antifa als antidemokratische, gewaltbereite Bewegung und stilisiert die AfD zur alleinigen Verteidigerin von Meinungsfreiheit und Demokratie. Zentral ist die Diffamierung von Gegner:innen wie Katja Riemann und Heidi Reichinnek, deren Motive pathologisiert werden. Der Beitrag vermischt Nachrichtenkommentar mit Produktplatzierung für patriotische Medaillen.
Antifa-Bündnis plane angeblich koordinierte Blockade mit historischer Taktik
Laut Darstellung bereite sich ein Bündnis namens „Widersetzen“ auf den AfD-Parteitag vor und wende eine „Fünf-Finger-Taktik“ an. Klemm behauptet: „da werden alle Blockierer in fünf riesengroße Bezugsgruppen eingeteilt, die sich dann aus verschiedenen Richtungen der Stadt nähern. Also die Finger, die sich dann um Erfurt schließen zur Faust, um den AFD Parteitag dann zu zerschlagen.“ Elsässer ergänzt, diese Taktik kenne man „von den Germanen [...] so sind die nämlich gegen die Römer vorgegangen. Gegen die damalige Besatzungsmacht.“
Katja Riemann und Heidi Reichinnek wurden als elitäre Galionsfiguren eines angeblichen Mobs inszeniert
Das Video zeigt ein Mobilisierungsvideo des Bündnisses. Klemm bezeichnet dessen Pathos als „ekelhaft“ und vergleicht Riemanns Sprechstimme mit „dem Intro von Herr der Ringe, wenn die Elbenkönigin was einspricht“. Elsässer bezeichnet Riemann als „verstört“ und spekuliert, sie habe entweder „einen Impfschaden“ oder leide an „Selbsthass“. Riemann wird ein älterer Talkshow-Ausschnitt vorgespielt, um sie als unhöflich und überheblich darzustellen.
Jede Ablehnung der AfD werde pauschal als faschistisch und undemokratisch diskreditiert
Elsässer erklärt, jeglicher Versuch, einen Parteitag zu blockieren, sei illegitim und fügt hinzu: „das ähm ist das, ich muss es mal so hart sagen, Faschismus. [...] und der kann natürlich von links oder von rechts kommen.“ Protestformen wie Straßenblockaden werden unterschiedslos mit Gewalt gleichgesetzt. Ein AfD-Verbot wurde als alternativloser Akt der Demokratieverteidigung präsentiert, da nur die AfD im Bundestag dafür gestimmt habe.
Argumentation verwies auf NS-Gedenktag und unterstellte der Antifa eine pathologische Fixierung
Klemm weist darauf hin, das Bündnis argumentiere mit dem historischen Datum eines NSDAP-Parteitags. Elsässer kommentiert: „dass sie wirklich pathologisch fixiert sind auf diese 12 Jahre“ und unterstellt „antideutschen“ Kreisen „Selbsthass“, der „pathologisch“ sei. Wer deutsch aussehende Menschen oder deutsche Kultur ablehne, leide an einer Störung, die einer Therapie bedürfe.
Die AfD werde als völlig gewaltfreie, demokratische Partei dargestellt, die von medialer Hetze profitiere
Klemm betont, die AfD reagiere „ganz entspannt“ und ein früherer Clip zeigt Alice Weidel mit der Aussage: „Gewalt darf niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein.“ Klemm ergänzt: „Es gibt ja auch keine rechten Blockierer bei irgendwelchen grünen Parteitagen.“ Die Proteste würden der AfD nur nutzen, da sie in Thüringen „beliebt wie nie“ sei.
Einordnung
Der COMPACT-TV-Beitrag tritt mit dem Habitus einer professionellen Nachrichtensendung auf, gibt sich aber von Beginn an als meinungsstarke Parteiwerbung zu erkennen. Die beiden Moderator:innen duzen sich, verleihen ihrer gemeinsamen Empörung durch affektgeladene Worte wie „ekelhaft“, „verstört“ oder „pathologisch“ Nachdruck und verlassen nie den Rahmen einer vollständigen Identifikation mit der AfD. Journalistische Distanz oder ein Anspruch auf Ausgewogenheit sind nicht erkennbar; die Perspektive der Protestierenden wird ausschließlich durch verzerrte Ausschnitte und polemische Unterstellungen vermittelt. Die argumentative Struktur beruht auf einem vereinfachten Gut-Böse-Schema: Die AfD erscheint als friedliche, demokratische Kraft, während jede oppositionelle Regung als illegitime, gar faschistische Gewalt pathologisiert wird. Fehlende Perspektiven der Demonstrierenden oder eine kritische Einordnung polizeilicher Einsatzgrößen werden nicht einmal angedeutet. Die Einblendung von Talkshow-Ausschnitten und Abstimmungsgrafiken aus dem Bundestag verstärkt den Anspruch, faktengestützt zu berichten, deutet das Material aber durch kommentierende Überschriften und ironisierende Rahmungen um. Die exklusive Identifikation von Gewaltfreiheit mit der eigenen politischen Sphäre bei gleichzeitiger Relativierung von Bauernprotesten offenbart eine instrumentelle Moral, die Machtfragen zugunsten der präsentierten Position beantwortet.
Sehwarnung: Dieser Beitrag bietet keine differenzierte Information, sondern parteiische Agitation mit diffamierenden Zuschreibungen. Wer einen ausgewogenen Diskurs sucht, wird nicht fündig.