In der Episode des Podcasts „Interpreting India“ diskutiert Moderatorin Nidhi Singh mit dem Technologieanwalt Nikhil Narendran über Indiens neues Datenschutzgesetz (DPDP) und Ansätze zur KI-Regulierung. Das Gespräch bewegt sich stark im Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt und staatlicher Kontrolle. Dabei wird wirtschaftliches Wachstum und Innovationskraft – oft unter dem Schlagwort der Wirtschaftsfreundlichkeit gerahmt – als unhinterfragtes Primärziel staatlichen Handelns vorausgesetzt. Gleichzeitig verhandeln die Sprecher:innen die Überforderung staatlicher Institutionen angesichts des rasanten technologischen Wandels. Die Debatte verdeutlicht, wie im indischen Kontext nach pragmatischen Lösungen gesucht wird, bei denen der Markt zunächst gewähren darf, bevor der Staat restriktiv eingreift. Dabei schwingt stets die Sorge mit, dass zu frühe Regulierungen die internationale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft gefährden könnten. ### Zentrale Punkte * **Indiens Datenschutzgesetz** Narendran argumentiere, das neue indische Datenschutzgesetz sei weniger einwilligungsgetrieben als das europäische Modell und biete Unternehmen durch Ausnahmen pragmatische Freiräume. * **Straflosigkeit bei Datenmissbrauch** Bei massenhaftem Datenmissbrauch fehle es dem aktuellen Gesetz an Zähnen. Narendran kritisiere, dass aus Rücksicht auf die Wirtschaft auf strafrechtliche Abschreckung verzichtet worden sei. * **Ablehnung eines KI-Gesetzes** Ein umfassendes KI-Gesetz nach EU-Vorbild werde für Indien abgelehnt. Die gesetzgeberischen Prozesse seien zu langsam; stattdessen sollten bestehende Gesetze besser durchgesetzt werden. * **Künstliche Intimität als Risiko** KI-gesteuerte Begleitsysteme würden eine neue Dimension der gesellschaftlichen Verwundbarkeit schaffen. Narendran warne vor emotionaler Abhängigkeit, die den Profitzielen der Anbieter diene. ### Einordnung Die Episode liefert einen fundierten Einblick in die indische Technologiepolitik aus Sicht der juristischen Praxis. Positiv hervorzuheben ist Narendrans differenzierte Kritik an der Straflosigkeit von Unternehmen bei massiver Datenmanipulation. Problematisch bleibt jedoch die durchgehende Rahmung von Technologie als rein neutrales Werkzeug. Das Mantra, man dürfe Innovationen durch Regulierung nicht abwürgen, wird als selbstverständliche Prämisse gesetzt. Bürgerrechtliche Perspektiven, die den inhärenten Machtverlust von Nutzer:innen gegenüber Tech-Konzernen fokussieren, bleiben weitgehend außen vor. Bezeichnend für diese technologieliberale Logik ist Narendrans Aussage: „Ich glaube nicht, dass Technologie zu irgendeinem Zeitpunkt von Natur aus schlecht oder falsch ist.“ **Hörempfehlung**: Lohnenswert für alle, die sich für globale Technologiepolitik interessieren und verstehen wollen, wie Staaten des Globalen Südens eigene digitale Rechtsrahmen jenseits von EU-Standards aufbauen. ### Sprecher:innen * **Nidhi Singh** – Associate Fellow bei Carnegie India * **Nikhil Narendran** – Partner bei Trilegal, Experte für Technologierecht