In der Episode diskutiert die Moderatorin Lisa Ortgies mit der Expertin Cordelia Moore über digitale und sexualisierte Gewalt, ausgehend von den Vorwürfen der Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Der Podcast verhandelt Deepfakes dabei nicht als isoliertes technologisches Phänomen, sondern rahmt sie als bloße Digitalisierung bestehender patriarchaler Gewaltstrukturen. Auffällig ist die sprachliche Konstruktion des Justizsystems und der Gesellschaft als instinktiv täterschützend. Während die Moderatorin das Thema teils emotionalisierend über persönliche Vertrauensbrüche zugänglich macht, lenkt die Expertin den Diskurs konsequent auf strukturelle und systemische Ursachen. Marktwirtschaftliche Profitlogiken von Social-Media-Plattformen werden als treibender Faktor für die Verbreitung misogyner Inhalte benannt und als zwingend regulierungsbedürftig vorausgesetzt. Individuelle Lösungsansätze wie Klarnamenspflichten werden hingegen als wirkungslos verworfen. ### Zentrale Punkte * **Systemische Fortsetzung von Gewalt** Moore argumentiere, dass digitale Gewalt keine eigenständige Form darstelle, sondern die reine technologische Fortsetzung gesamtgesellschaftlicher, patriarchaler Machtdynamiken sei. * **Täterschutz und gesellschaftliche Scham** Das Justizsystem und das soziale Umfeld würden Betroffenen häufig mit Misstrauen und Beschämung begegnen, was systemischen Täterschutz begünstige und zu extrem niedrigen Anzeigenquoten führe. * **Profitlogik der Social-Media-Konzerne** Tech-Plattformen würden durch aufmerksamkeitsökonomische Algorithmen finanziell von der Verbreitung sexualisierter Gewalt profitieren und männliche Nutzer gezielt in misogyne Netzwerke pushen. * **Gefährliche rhetorische Umdeutungen** Die anwaltliche Verteidigungslinie, jahrelange Bildmanipulationen als einvernehmlichen Fetisch umzudeuten, verschleiere gezielt den mangelnden Konsens und somit den elementaren Gewaltaspekt der Taten. ### Einordnung Die Episode besticht durch die konsequente Überführung eines prominenten Einzelfalls in eine fundierte Strukturdebatte über patriarchale Gewalt. Moores Expertise verhindert, dass die Diskussion ins reine Boulevardeske abgleitet. Kritisch zu betrachten ist jedoch die rein illustrative Nutzung des Falls Ulmen: Die juristische Komplexität von presserechtlicher Verdachtsberichterstattung wird zwar formal durch den Pflichtverweis auf die Unschuldsvermutung gewahrt, de facto aber diskursiv als strategischer Täterschutz gerahmt. Wie juristische Abwehrmechanismen hierbei delegitimiert werden, zeigt sich, als Ortgies das Agieren des Anwalts normativ bewertet: „Ich finde es schon, das sagt was aus über das ganze System, finde ich, dass da einer so die Seiten wechselt.“ Die medienrechtliche Gegenseite bleibt in dieser Auseinandersetzung gänzlich außen vor. **Hörempfehlung**: Eine strukturell fundierte Analyse für alle, die das Thema Deepfakes jenseits technologischer Faszination aus einer gesellschaftspolitischen Perspektive verstehen wollen. ### Sprecher:innen * **Lisa Ortgies** – Moderatorin und Journalistin * **Cordelia Moore** – Beraterin und Expertin für digitale Gewalt