Roger Köppel eröffnet die Sendung mit einem großen Eigenlob auf sein Interview mit dem russischen Medienmacher Wladimir Solowjow. Solowjow wird als jemand vorgestellt, der Dinge ausspreche, die „diametral gegen alles gehen", was im westlichen Mainstream zum Ukraine-Krieg kursiere. Köppel setzt voraus, dass der westliche Blick auf Russland naiv sei: Man unterschätze die „Antriebskräfte" Moskaus und mache es sich „zu leicht in der Einordnung und Abservierung dieser Kriegspartei". Die eigene Position gilt von vornherein als die „andere Sicht", die mutiger, unabhängiger und ehrlicher sei als die angeblich von „politischer Korrektheit pastorisierte" Öffentlichkeit.
Zentrale Punkte
- Russland: Tiefere Motive statt Imperialismus Köppel behaupte, der Westen reduziere Russlands Krieg fälschlich auf einen „imperialistischen Eroberungsfeldzug". Solowjow zeige hingegen die wahre „Ernsthaftigkeit" dahinter. Diplomatieverweigerung des Westens und pures Unverständnis in Russland gegenüber deutscher Politik werden als Fakten dargestellt, die man endlich sehen müsse.
- FDP: Brandmauer als aufgezwungene Last Die FDP müsse sich von der Debatte über eine Zusammenarbeit mit der AfD lösen; diese „Brandmauer"-Rhetorik werde ihr von der CDU „aufgezwungen" und sei „nicht relevant". Stattdessen brauche es einen klaren wirtschaftsliberalen Kurs, etwa die Abschaffung der Erbschaftssteuer.
Einordnung
Die Episode tritt mit dem Anspruch an, verdrängte Perspektiven zu liefern und gegen einen Konformitätsdruck anzureden. Das kann für Hörer:innen, die genau solche Bestätigung suchen, attraktiv wirken. Allerdings wird dieser Anspruch durch die Art der Darstellung unterlaufen. Solowjow, ein bekannter Propagandist des Kreml, wird als mutige, unabhängige Stimme ohne kritische Einordnung präsentiert. Köppel übernimmt dessen Rahmung, wonach der Westen durch Gesprächsverweigerung eskaliere, und stellt das als ebenso legitime wie unterdrückte Wahrheit hin. Die journalistische Distanz fehlt völlig.
Auch bei der FDP wird eine gefährliche Verschiebung vollzogen: Die Ablehnung der AfD-Zusammenarbeit erscheint als lästige, von der CDU „aufgezwungene" Idee, nicht als demokratische Grundsatzfrage. Wer eine klare Abgrenzung zur extremen Rechten für einen „Nebenschauplatz" hält, normalisiert die Partei, ohne sie beim Namen zu nennen. Mit Aussagen wie „politische Korrektheit pastorisiert die Öffentlichkeit" wird zudem ein rechter Kampfbegriff als Selbstverständlichkeit gesetzt.
Hörwarnung: Kreml-Propaganda wird als mutiger „Klartext" vermarktet und demokratische Brandmauern gegen Rechts werden rhetorisch geschleift – das ist keine „andere Sicht", sondern gefährliche Verschiebung.
Sprecher:innen
- Roger Köppel – Moderator, Verleger der Weltwoche