Die Episode vom Oktober 2024 (aus dem Archiv von Lawfare) beleuchtet die wirtschaftliche und geopolitische Bedeutung des Südchinesischen Meeres. Hunter Marston erklärt, wie konkurrierende Gebietsansprüche, künstliche Inselbauten und die maritime Machtprojektion die Region prägen. Das Gespräch ist durchgehend aus einer US-Perspektive gerahmt: Militärische Präsenz und „Freedom of Navigation"-Operationen werden als Stabilitätsfaktor dargestellt, strategische Konkurrenz mit China als natürliche Ausgangslage gesetzt. Dass die USA UNCLOS selbst nicht ratifiziert haben, wird zwar erwähnt, aber nicht als grundsätzlicher Widerspruch zur reklamierten Rolle als Verteidigerin des Völkerrechts verhandelt.
Zentrale Punkte
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Künstliche Inseln als Machtmittel China habe zwischen 2013 und 2015 rund 3.000 Acres künstlicher Inseln errichtet und militarisiert – mit Startbahnen, Radar und möglichen Raketensilos. Vietnam baue ebenfalls auf, liege mit geschätzt 2.000 Acres aber deutlich hinter Chinas 4.650 Acres zurück.
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Die 9-Strich-Linie als Anspruchsbasis Die auf eine Karte der Republik China von 1947 zurückgehende 9-Strich-Linie werde von Peking seit 2009 als Grundlage weitreichender Ansprüche genutzt. Sie verletze die Wirtschaftszonen kleinerer Anrainerstaaten, obwohl China UNCLOS ratifiziert habe. Das Schiedsgericht 2016 erklärte sie für nichtig.
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Philippinen und Vietnam: Schwanken und Absicherung Jede philippinische Regierung versuche vergeblich, das Verhältnis zu China zu verbessern – Duterte habe das Schiedsurteil ignoriert, Marcos Jr. setze wieder auf die US-Allianz. Vietnam betreibe Hedging: enge Partei- und Handelsbeziehungen zu Peking bei gleichzeitiger Verteidigungskooperation mit Japan, Indien und den USA.
Einordnung
Die Episode liefert fundierten historischen und geopolitischen Kontext, besonders zu den Strategien der Anrainerstaaten. Marstons Erklärung der philippinischen Außenpolitikschwankungen und der vietnamesischen Kompartmentalisierungsstrategie ist differenziert. Auch die US-UNCLOS-Hypokrisie wird immerhin erwähnt.
Problematisch ist die durchgängige US-Zentralperspektive: Militärische Präsenz wird als Stabilisierung gesetzt, alternative Ordnungsvorstellungen nicht ernsthaft erwogen. Betroffene Küstenbewohner:innen und Fischer:innen tauchen nur als Objekte auf. Die Empfehlungen an die nächste Administration naturalisieren strategische Konkurrenz als unhinterfragte Prämisse. Chinas Perspektive auf seine Ansprüche wird ausschließlich von außen beschrieben.
Hörempfehlung: Solide Einführung in die geopolitischen Dynamiken des Südchinesischen Meeres – listener:innen mit Interesse an US-Außenpolitik und maritimen Konflikten erhalten guten Überblick, sollten die US-zentrische Rahmung aber kritisch einordnen.
Sprecher:innen
- Kevin Frazier – Senior Research Fellow, University of Texas at Austin; Tarbell Fellow bei Lawfare
- Hunter Marston – Doktorand, Australian National University; Southeast Asia Associate bei 9-Dash Line