Der Newsletter "Notes on economics and more" präsentiert ein Gespräch aus dem März 2026 zwischen Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman und dem renommierten Energie- und Klimajournalisten David Roberts. Vor dem Hintergrund einer durch einen US-Angriff auf den Iran ausgelösten globalen Energiekrise analysieren die beiden die drastischen Verschiebungen auf dem Weltmarkt. Roberts konstatiert eine beispiellose geopolitische Spaltung: Während die USA unter der Trump-Administration massiv auf fossile Energieträger setzen und sich als "letzter Petrostaat" isolieren, positioniert sich China durch die rasante Elektrifizierung seiner Wirtschaft als dominanter "Elektrostaat". Die US-Regierung versuche krampfhaft, andere Nationen in eine Abhängigkeit von US-Flüssiggas zu drängen, beschleunige durch ihre kriegerische Außenpolitik jedoch paradoxerweise den globalen Wechsel zu sauberen Energien. Ein zentrales Argument des Textes ist der ökonomische Siegeszug der Erneuerbaren. Roberts betont, dass die reine Klimadebatte politisch in den Hintergrund getreten sei, da die Marktkräfte längst für grüne Technologien sprechen. Die Wartelisten für Netzanschlüsse in den USA bestünden zu fast 90 Prozent aus sauberen Energieprojekten. Dennoch zwinge die US-Regierung Energieversorger aus ideologischen Gründen, unrentable Kohlekraftwerke am Netz zu halten. Er verdeutlicht dies prägnant: "Wir werden mit dem Schiff der fossilen Brennstoffe untergehen." Zugleich verweist er auf die massive Effizienzsteigerung, die allein durch den Wechsel von Verbrennungs- zu Elektromotoren durch den Wegfall von Abwärme entsteht. Neben der Geopolitik diskutieren die Autoren urbane Themen. Sie beleuchten die Korrelation zwischen städtischer Dichte, niedrigen Pro-Kopf-Emissionen und demokratischen Mehrheiten. Der Erfolg der YIMBY-Bewegung beim Wohnungsbau wird als seltener Lichtblick gewertet. Kritisch sieht Roberts hingegen autonome Fahrzeuge: Ohne strenge Regulierungen könnten diese zu mehr Zersiedelung und Autoverkehr führen. ## Einordnung Der Text bietet eine scharfsinnige, wenngleich stark US-zentrierte Analyse der Energiewende aus einer linksliberalen, technokratischen Perspektive. Konservative Stimmen oder Akteur:innen der fossilen Industrie fungieren ausschließlich als Negativbeispiele für irrationale Klientelpolitik. Die Argumentation framet den Ausbau erneuerbarer Energien strategisch um: Weg von der rein ökologischen Notwendigkeit, hin zu einer sicherheitspolitischen und ökonomischen Überlebensfrage im Systemwettbewerb mit China. Unausgesprochen bleibt dabei weitgehend, welche enormen sozialen und infrastrukturellen Verwerfungen eine derart radikale Transformation für strukturgeschwächte Regionen mit sich bringt. Auffällig ist die scharfe Kritik an einer reaktionären Energiepolitik, die als toxische Mischung aus rechtem Populismus, Milliardärs-Lobbyismus und "Petro-Maskulinität" skizziert wird. Trotz der düsteren geopolitischen Gegenwartsbeschreibung durchzieht den Text der deterministische Optimismus, dass die physikalische und ökonomische Überlegenheit grüner Technologien letztlich siegen wird. Der Newsletter ist eine unbedingte Leseempfehlung für Leser:innen, die tiefgreifende Analysen an der Schnittstelle von Geopolitik, Technologie und Stadtplanung suchen und eine offene Ablehnung der aktuellen US-Regierungspolitik in Kauf nehmen.