Public Notice beleuchtet in einem Interview mit dem Historiker Seth Cotlar die Wiederkehr einer radikalisierten „Red Scare“-Rhetorik der Republikaner:innen. Cotlar sieht den entscheidenden Unterschied zur altbekannten Konservativen-Kritik am Sozialismus in der heutigen Annahme einer „gut organisierten, koordinierten Bedrohung von innen“. Es gehe nicht mehr nur um politische Differenzen, sondern um den Glauben, dass Demokrat:innen Teil einer globalen Verschwörung seien, die etwa Gendergerechtigkeit nutze, um Kommunismus durchzusetzen. Diese apokalyptische Denkweise – jedes liberale Gesetz führe direkt in Stalins Gulag – übernahm die GOP laut Cotlar direkt von der einst als extremistisch verschrienen John Birch Society. Deren Verschwörungsfantasien seien durch einen allgemeinen Konspirationismus zum „dominanten Gen“ der Partei geworden. Kritisch sei das, so Cotlar, wenn der Staat solche Vorstellungen übernimmt, wie bei den Anti-Critical-Race-Theory-Kampagnen.

Einordnung

Der Newsletter präsentiert eine pointierte, historisch fundierte Diagnose der republikanischen Rhetorik, die jedoch von einer linksliberalen Warte aus argumentiert. Ausgeblendet bleibt, dass auch Teile der Linken mitunter apokalyptische Szenarien beschwören. Die Stärke liegt im Hinweis auf die reale Gefahr: Wenn Institutionen wie FBI oder Bildungsbehörden konspirationistische Feindbilder übernehmen, schwinden demokratische Schutzmechanismen. Die Analyse ist ein wertvoller Dechiffrierungsschlüssel für aktuelle US-Debatten. Lesenswert für alle, die verstehen wollen, wie Fringe-Ideen die politische Mitte kapern.