Luca Piwodda, 26-jähriger Bürgermeister der brandenburgischen Kleinstadt Garz, spricht mit Cicero-Redakteur Clemes Traub über seinen ungewöhnlichen Weg in die Politik. Aus einer SPD-Familie stammend, habe er sich gegen den Eintritt in die Traditionspartei entschieden und 2018 mit neun Freund:innen die „Partei des Fortschritts“ gegründet. Im Gespräch zeichnet Piwodda das Bild einer überholten Parteienlandschaft, die an den Bedürfnissen junger Menschen vorbeigehe. Die etablierten Parteien und ihre inneren Abläufe werden als schwerfällig und unattraktiv dargestellt – eine Perspektive, die eigene Neuorganisation hingegen als zeitgemäß, digital und bewegungsorientiert.

Zentrale Punkte

  • Großparteien als „Dinosaurier“ Piwodda argumentiere, SPD, CDU und andere Großparteien arbeiteten mit überholten Methoden und seien nicht auf projektorientiertes Engagement junger Menschen eingestellt. Diese kämen nicht für jahrzehntelange Parteikarrieren, sondern für zeitlich begrenzte, leidenschaftliche Mitarbeit an konkreten Themen.
  • Neue Partei als digitale Bewegung Seine „Partei des Fortschritts“ sei radikal basisdemokratisch organisiert: mit einem digitalen Parteiparlament, öffentlichen Vorstandssitzungen und Community-Events wie Gaming-Abenden. Das Ziel sei eine Plattform, die politische Arbeit ähnlich einer Bewegung flexibel und projektbezogen möglich mache.

Einordnung

Das Gespräch gewährt einen authentischen Einblick in die Frustration eines jungen Kommunalpolitikers mit etablierten Parteistrukturen. Piwodda kann aus eigener Erfahrung darlegen, was junge Menschen von politischer Beteiligung abhält, und beschreibt konkret alternative Formate wie digitale Mitbestimmung und niedrigschwellige Vernetzung. Das verleiht seiner Position Glaubwürdigkeit und macht nachvollziehbar, warum klassische Parteien als unattraktiv wahrgenommen werden.

Die Episode bleibt jedoch stark in Piwoddas Eigenwerbung verfangen. Die strukturelle Kritik an Parteien als „Dinosaurier“ wird gesetzt, aber kaum mit Gegenfragen vertieft: Wie stellt sich die „Partei des Fortschritts“ etwa der Herausforderung, langfristige politische Verantwortung mit wechselndem, projektorientiertem Engagement zu vereinbaren? Die demokratietheoretische Frage, ob bewegungsartige Plattformen die komplexen Aufgaben der Meinungsbildung und Personalrekrutierung tatsächlich besser erfüllen als Parteien, wird zwar kurz angerissen, aber nicht konsequent verfolgt. Piwoddas Vorschlag, Parteien nicht mehr allein zur Wahl zuzulassen, bleibt als radikaler Punkt zudem unkommentiert im Raum stehen, was journalistische Distanz vermissen lässt.

Sprecher:innen

  • Luca Piwodda – Bürgermeister von Garz, Gründer und Mitglied der „Partei des Fortschritts“
  • Clemes Traub – Redakteur bei Cicero