Urlaub hin oder her, Paul Krugman nutzt auch die entspannte Laptop-Arbeit im Café für einen scharfen Kommentar zur Befindlichkeit der Superreichen. Ausgehend von Jeff Bezos’ jüngstem Wunsch, seine protzige Jacht wegen öffentlicher Aufmerksamkeit zu verkaufen, landet er bei Hedgefonds-Milliardär Ken Griffin. Der New Yorker Bürgermeister Zoran Mandani hat eine Steuer auf Luxus-Zweitwohnsitze ins Spiel gebracht und in einem Video Griffs Wohngebäude am Central Park South gezeigt. Griffs Reaktion ist ein Musterbeispiel an Selbstbezogenheit: Er sieht sich persönlich angegriffen, zieht Vergleiche zu Attentaten auf Donald Trump und droht, sein Geschäft aus New York abzuziehen – obwohl die Stadt für sein Hedgefonds-Geschäft der beste Standort ist.
Krugman analysiert diesen Ausbruch als Symptom einer tieferen Deformation. Die Superreichen, so sein Zitat, setzen „ihre geringfügigen Unannehmlichkeiten mit Fragen von Leben und Tod für normale Menschen gleich“. Dabei ist New York für Wohlhabende ein Paradies, aber für einen Milliardär mit Chauffeur und Bodyguards geht der ganze urbane Zauber verloren: das Schlendern, die ethnischen Restaurants, die zufälligen Begegnungen. Krugman fragt provozierend, warum man sich dann überhaupt eine Wohnung in Manhattan zulegt, wenn man das Straßenleben gar nicht nutzt – „man könnte genauso gut in Dubai leben“.
Der größere gesellschaftliche Schaden entsteht, wenn solche Egozentriker reale Macht ausüben. Als extremes Beispiel nennt er Elon Musk, der seine persönlichen Obsessionen über die Trump-Administration auslebte und mit den DOGE-Kürzungen USAID zerstörte – mit Schätzungen zufolge 600.000 Toten, meist Kinder. Krugman verteidigt das Zeigen von Griffs Wohnhaus daher als legitimes Mittel für eine progressive Agenda: Die Oligarchen sollten sich fragen, was sie aus ihrem Leben machen.
Einordnung
Krugman schreibt aus einer klar linksliberalen, anti-oligarchischen Perspektive und zeichnet das Bild einer Klasse, die völlig den Bezug zur Lebensrealität verloren hat. Seine Argumentation lebt von zugespitzten Anekdoten und einer moralischen Empörung, die strukturelle wirtschaftspolitische Alternativen fast vollständig ausblendet. Die Gleichsetzung von Griffins persönlicher Gekränktheit mit letztlich tödlichen Kürzungen ist rhetorisch wirkungsvoll, aber auch holzschnittartig. Unausgesprochen bleibt, dass eine Pied-à-terre-Steuer vor allem symbolisch sein mag und reiche Steuerflüchtlinge kaum ernsthaft belastet. Die monströse Zahl von 600.000 Toten durch Musks Kürzungen wird als Fakt präsentiert, obwohl sie höchst umstritten ist – hier mischt sich Analyse mit Aktivismus. Lesenswert ist diese Ausgabe für alle, die eine polemische, aber unterhaltsame Dekonstruktion der Superreichen-Allüren schätzen. Wer eine ausgewogene Diskussion über Vermögensbesteuerung sucht, wird eher enttäuscht.