Der c't uplink widmet sich den "Magnificent Seven" - jenen sieben US-Tech-Konzernen (Amazon, Alphabet, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia, Tesla/SpaceX), die mit 18 Bio. € Marktwert die EU-Wirtschaftsleistung erreichen. Greta Friedrich, Andrea Trinkwalder und Hartmut Gieselmann zeigen auf, dass das Wachstum der Konzerne massive Ressourcen verbraucht: Rechenzentren allein verursachen in Dublin 80 % des Strombedarfs, während Nvidia ein Monopol auf KI-Beschleuniger hält und Aktienkurse sich von realen Gewinnen entkoppelt haben. Als Gegenstrategien präsentieren sie europäische Open-Source-Initiativen: die Schweiz baut ein transparentes nationales Sprachmodell, Schleswig-Holstein stellt Verwaltung und Schulen auf LibreOffice & Linux um. Kritisch bleiben sie, dass europäische Regulierungsversuche (Digital Markets Act) bisher an technischen Ausflüchten scheitern und hinter "grüner" KI-Werbung weiterhin Ausbeutung von Klickworkern im globalen Süden steckt.

1. Monopol-Blase: Marktkapitalisierung entkoppelt von realen Gewinnen

Die Redakteure betonen, die kombinierte Marktkapitalisierung der M7 entspreche dem EU-Bruttoinlandsprodukt, während ihr Anteil am realen Wertschöpfung minimal sei: "Es war wirklich also eine Grafik, wo irgendwie so mini-mini-Balken mit Gewinnen und Umsatz waren und riesige Balken mit der Marktkapitalisierung." Sie warnen vor einer Spekulationsblase, vergleichbar mit dem Eisenbahn-Crash vor 160 Jahren, bei der Kleinere zuerst pleite gehen würden.

2. Ressourcenfresser KI: Rechenzentren belasten Stromnetze massiv

Greta Friedrich erklärt, dass neue KI-Rechenzentren trotz effizienterer Hardware den absoluten Verbrauch steigern: "Die großen Unternehmen schaffen es halt, das auszugleichen ... indem sie noch mehr bauen." In Dublin entfielen längst 80 % des Stadtstroms auf Serverfarmen, in Frankfurt 40 %. Die Netzbetreiber warnen laut North American Electric Reliability Corporation bereits vor Engpässen.

3. Nvidia-Monopol: Ein einzelner Chipkonzern kontrolliert KI-Goldrausch

Hartmut Gieselmann beschreibt Nvidias Vormacht als "Schaufellieferant des digitalen Goldrauschs": Nur Nvidia biete leistungsfähige GPUs plus proprietäre CUDA-Umgebung, wodurch "absolute Monopolstellung" entstehe. Der Aktienwert von 4 Bio. US-Dollar sei entkoppelt vom operativen Geschäft und baue auf "Erwartungen der Anleger auf die Zukunft", was eine bevorstehende Blasenplatzen befürchten lasse.

4. Technofeudalismus: Plattformmacht führt zu neuen Abhängigkeiten

Die Autoren übernehmen das Konzept des Ökonomen Varoufakis: Microsofts 80-90 % Marktanteil bei Office ermögliche regelmäßige Preiserhöhungen um bis zu 40 % plus 400 € pro Jahr für KI-Copilot. Amazon verlange 30-50 % versteckte Gebühren von Marktplatz-Händlern und priorisiere eigene Produkte. Durch geschlossene Ökosysteme würden "Plattform-Feudalherren" Märkte privatisieren.

5. Europäische Alternativen: Schweizer Open-Source-KI und LibreOffice-Migration

Andrea Trinkwalder berichtet von hoffnungsvollen Projekten: Die Schweiz entwickelt ein vollständig transparentes, Open-Source-Sprachmodell für Landessprachen, trainiert im mit Ökostrom betriebenen Lugano-Rechenzentrum. Schleswig-Holstein migriert Verwaltung und Schulen sukzessive auf LibreOffice und Linux, um Microsoft-Abhängigkeiten zu reduzieren und langfristig Lizenzkosten zu sparen.

6. Ausbeutung im globalen Süden: Klickworker entschärfen brutale Inhalte

Greta Friedrich deckt auf, dass hinter KI-Modellen Millionen Klickworker weltweit stehen, die unter Prekarisierung labeln und schlimmste Inhalte (Folter, Missbrauch) moderieren müssen: "600, 700 Tickets pro Tag ... ohne psychologische Unterstützung." Die Techkonzerne würden Verantwortung über Subunternehmen ausborgen, während die Wertschöpfung in wenige Handvoll Unternehmen fließt.

Einordnung

Der Podcast liefert eine stringent recherchierte, faktenreiche Abrechnung mit den Machtverhältnissen im globalen Tech-Markt. Die drei c't-Redakteur:innen verzichten auf billige Polemik, belegen Zahlen mit Quellen und zeigen Alternativen auf. Besonders wertvoll: Sie durchbrechen die Selbstverständlichkeit, mit der wir Monopolstrukturen akzeptieren, und benennen die sozialen sowie ökologischen Externalitäten. Kritisch bleibt, dass die europäischen Gegenentwürfe noch in den Kinderschuhen stecken; der Bogen von der Diagnose zur handlungsfähigen Gegenmacht wird gewagt, aber nicht vollends geschlossen. Für Hörer:innen, die verstehen wollen, warum ihre Stromrechnung, Software-Kosten und Freund:innen-Netzwerke von Kalifornien aus bestimmt werden, lohnt sich die knapp 40-minütige Analyse trotzdem – sie vermittelt ökonomische Zusammenhänge verständlich und ohne Fachchinesisch.

Hörempfehlung: Ja – wer wissen will, wie sieben Konzerne ganze Volkswirtschaften beeinflussen und was Europa dagegen tun könnte, bekommt hier eine informative, sachliche Einführung.