Ausgehend vom Anschlag auf den Berliner CSD besucht Moderator Dominik Steffens zwei Moscheen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. In der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee empfängt ihn Seyran Ateş zwischen Regenbogenfahnen und erklärt, ihre Gemeinde sei bundesweit die einzige LGBT-freundliche Moschee. In der Khadija-Moschee hingegen, so wird berichtet, dürften queere Menschen nicht Mitglied werden. Die Episode stellt die Frage, ob Homophobie ein Problem des Islams oder nur eines der Extremisten sei – und setzt dabei eine zentrale Annahme als selbstverständlich: dass sich diese Frage am Umgang muslimischer Gemeinden mit Queerness klären lasse. Ateş wird dabei als Expertin positioniert, die sowohl von konservativen Verbänden als auch vom IS angefeindet werde.

Zentrale Punkte

  • Queerfeindlichkeit als Normalität In den meisten Moscheen werde die Trennung von Männern und Frauen als nötig dargestellt, weil das Sehen des anderen Geschlechts vom Gebet ablenke. Queere Lebensweisen würden von Verbandsvertretern als „abnormal“ bezeichnet, was eine tief verankerte Ablehnung in muslimischen Gemeinschaften zeige.
  • Islam versus Islamismus Ateş vertrete die These, der Islam sei zwar friedlich, doch der Islamismus speise sich aus dem Islam – Extremismus habe dort seinen Nährboden. Ein Vertreter der Khadija-Moschee widerspreche: Im Islam gebe es keinen einzigen Anhaltspunkt für Extremismus, wer sich ernsthaft damit befasse, könne nicht extrem werden.

Einordnung

Die Stärke dieser Reportage liegt im Vor-Ort-Besuch und dem konkreten Gegenüberstellen zweier Positionen. Ateş kommt ausführlich zu Wort und macht die Anfeindungen, denen sie ausgesetzt ist – von konservativen Verbänden bis zu IS-Chatgruppen – eindrücklich nachvollziehbar. Das macht die Bedrohungslage für liberale muslimische Stimmen greifbar.

Allerdings bleibt die Reportage asymmetrisch: Während Ateş detailliert ihre Räume und Argumente entfalten darf, wird die Position der Khadija-Moschee nur in einem Satz des Imams angerissen. Dessen Argument – dass ernsthafte Islambefassung nicht zu Extremismus führe – wird weder vertieft noch kritisch nachgefragt, etwa zur Frage, was dann die Ursache von Extremismus sei. Die Rahmung „Islam vs. Islamismus“ wird als Debattenrahmen übernommen, ohne zu thematisieren, dass sie selbst eine politische Setzung ist, bei der „Islam“ und „Extremismus“ als zwei trembare Phänomene gedacht werden.

Hörempfehlung: Für alle, die verstehen wollen, wie eine liberale muslimische Gemeinde queerfeindlichen Mainstream und islamistische Bedrohung zugleich aushält, bietet die Episode einen wertvollen Einblick.

Sprecher:innen

  • Dominik Steffens – Moderator von Based, führt durch die Reportage
  • Seyran Ateş – Gründerin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, Frauen- und LGBT-Rechteaktivistin