The Take: Palestine 36: A film about a revolt that nearly changed history
Regisseurin Annemarie Jacir spricht über ihren Film „Palestine 36“ und die historischen Wurzeln der palästinensischen Identität.
The Take
22 min read1409 min audioIn dieser Episode von „The Take“ spricht Moderatorin Malika Bilal mit der palästinensischen Regisseurin Annemarie Jacir über deren historischen Spielfilm „Palestine 36“. Das Gespräch dreht sich um den massiven arabischen Aufstand gegen die britische Mandatsmacht in den 1930er Jahren und die Herausforderungen, einen solchen Film unter gegenwärtigen Bedingungen vor Ort zu drehen.
Dabei wird die filmische Aufarbeitung historischer Ereignisse kontinuierlich mit der aktuellen Situation im Gazastreifen und im Westjordanland verknüpft. Die koloniale Unterdrückung durch die Briten und die heutige israelische Besatzungspolitik werden sprachlich als ununterbrochenes Kontinuum gerahmt. Diese historische Deckungsgleichheit sowie ein unbedingter Widerstandsgeist der palästinensischen Zivilbevölkerung werden im Gespräch als absolute, selbstverständliche Prämissen gesetzt.
### Zentrale Punkte
* **Historische Parallelen**
Jacir argumentiere, dass die britischen Kontrollmechanismen und kollektiven Bestrafungen der 1930er Jahre nahezu deckungsgleich mit der heutigen israelischen Politik seien.
* **Dreharbeiten als Widerstand**
Die Produktion sei massiv durch die Ereignisse ab Oktober 2023 erschwert worden, was den Cast jedoch in seinem Zusammenhalt gestärkt und die Relevanz des Films untermauert habe.
* **Fokus auf Alltagsgeschichte**
Der Film rücke bewusst nicht die politische Elite in den Vordergrund, sondern zeige, wie gewöhnliche palästinensische Bäuer:innen historisch zur Gegenwehr gezwungen worden seien.
### Einordnung
Die Episode liefert faszinierende Einblicke in die logistischen Hürden palästinensischen Filmschaffens und verdeutlicht die starke emotionale Bedeutung von Archivmaterial. Auffällig ist jedoch die fehlende journalistische Distanz: Bilal agiert nicht als kritische Fragestellerin, sondern verstärkt Jacirs Narrative aktiv. Begriffe wie „völkermörderischer Krieg“ werden als unhinterfragter Konsens gesetzt. Die Dehumanisierung durch Besatzungsmächte wird als universelle Konstante formuliert, was Jacir verdeutlicht: „Die Art und Weise, wie man sich einreden kann, dass das, was man tut, in Ordnung ist, liegt daran, dass die Menschen auf der anderen Seite nicht zählen.“ Alternative historische Lesarten bleiben völlig ausgespart.
**Hörempfehlung**: Für Hörer:innen, die sich für palästinensisches Kino und die Konstruktion historischer Narrative aus einer dezidiert aktivistischen Perspektive interessieren.
### Sprecher:innen
* **Malika Bilal** – Journalistin und Moderatorin des Podcasts „The Take“
* **Annemarie Jacir** – Palästinensische Regisseurin und Drehbuchautorin